Geilenkirchen: Bewährung nur bei Antritt der Therapie

Geilenkirchen : Bewährung nur bei Antritt der Therapie

Mit einer glimpflichen Bewährungsstrafe von einem Jahr kam ein 25-Jähriger aus Erkelenz vor dem Schöffengericht Geilenkirchen davon.

„Bewährungsauflage ist aber, dass Sie sich jetzt mit dem richtigen Nachdruck um einen Therapieplatz bemühen, um Ihre Heroinabhängigkeit zu bekämpfen. Ansonsten widerrufen wir sofort die Bewährung”, erklärte Richter Anselm Pütz das Urteil.

Der Angeklagte war am 21. März 2003 in Wassenberg, um sich bei einem Arzt Methadon zur Drogenbekämpfung verschreiben zu lassen.

Er sollte das Rezept nach einiger Zeit des Wartens abholen. Gegen 10 Uhr ging er in einen Schlecker-Markt, um sich ein Getränk zu kaufen.

„Als ich sah, dass die Kassiererin allein im Laden war, habe ich Rasierklingen, eine Fotobatterie und einen Nassrasierer in meinen Rucksack gesteckt”, erklärte er vor Gericht.

Er habe den Laden ohne zu zahlen verlassen und sei zum etwa fünf Minuten entfernten Euro-Markt gegangen. Dort habe er sich sechs DVD-Filme unter seine Jacke gesteckt, weil er den Rucksack außerhalb der Verkaufsfläche habe stehen lassen.

In diesem Markt sei er aber aufgefallen. Der Rucksack sei geöffnet worden, die gestohlenen Waren seien dem Schlecker-Markt zurückgegeben worden.

Die Schlecker-Waren hatten einen Gesamtwert von rund 370, die des anderen Marktes von etwa 150 Euro”, hatte Staatsanwalt Jansen in seiner Anklage erklärt.

Richter Anselm Pütz wollte vom Angeklagten etwas zu seinem Drogenkonsum wissen: „Ich bin seit sieben Jahren heroinabhängig. Ich habe schon eine zweijährige Jugendstrafe abgesessen, habe mich immer wieder Entgiftungen unterzogen, aber nie eine Therapie angetreten”, erklärte der Angeklagte.

Das habe sicher auch daran gelegen, dass er immer wieder in sein altes Umfeld zurückgekehrt sei. Begonnen habe er mit Haschisch-Rauchen, später sei er auf Heroin umgestiegen, das er gespritzt habe.

Nach der damaligen Haftentlassung sei er zweieinhalb Monate „clean” gewesen, danach sei er wieder auf Heroin gekommen und habe immer wieder Geld benötigt, das er durch Kriminalität beschafft habe.

„Derzeit gehe ich jeden Tag zum Arzt, ich bin im Methadon-Programm. Ich muss öfters Urin-Stichproben abgeben. Seit eineinhalb Monaten bemühe ich mich jetzt um einen Therapieplatz, nachdem ich das vorher immer sehr schleppend getan habe.”

Staatsanwalt Jansen: „Wir haben uns hier mit zwei Diebstählen an einem Tag zu beschäftigen. Es handelt sich um einen besonders schweren Fall, denn die Diebstähle waren gewerbsmäßig.” Die Höhe der Strafe sei mit einem Jahr für die beiden Straftaten leicht festzulegen.

Schwerer tue er sich da schon damit, bei dem sechsfach einschlägig Vorbestraften mit der Frage der Bewährung: „Es kann in diesem Fall nur dann eine Bewährungsstrafe geben, wenn die Therapie jetzt wirklich erkennbar angestrebt wird”, so der Staatsanwalt.

Dieser Auffassung schloss sich auch Strafverteidiger Theo Depenau an: „Der Sachverhalt ist durch die Staatsanwaltschaft richtig gewürdigt, die Tat als Beschaffungs-Kriminalität richtig dargestellt.

Eine Bewährungsstrafe ist auch aus Sicht der Verteidigung nur sinnvoll in Verbindung mit der Auflage, die Drogensucht jetzt endlich in den Griff zu bekommen und einen Therapieplatz anzustreben.”