Wassenberg: „Bettenmachen” mit Ramme und Baggerschaufel

Wassenberg : „Bettenmachen” mit Ramme und Baggerschaufel

Unter großem Aufwand an Technik und Material wird derzeit der Natur in Wassenberg auf die Sprünge geholfen - genauer gesagt, der Gasthausbach wird gleich an zwei „Enden” angepackt: am „Breiten Weg” und im Oberlauf an „Alt Holland”.

Quasi mit der Baggerschaufel wird ihm das Bett gemacht. Der bald darin fließende neue naturnahe Gasthausbach wird künftig weniger Sand, Erde und Geröll führen, so dass die beiden Weiher im Marienbruch nicht mehr verschlammen.

Die Wassenberger Stadtverwaltung - an ihrer Spitze Bürgermeister Manfred Erdweg und Beigeordneter Peter Bente - sowie der Wasserverband Eifel-Rur - vertreten durch Dezernent Robert Steegmans und Abteilungsleiter Hans-Josef Heuter - erläuterten gestern bei einer Rundfahrt die wesentlichen Sanierungsarbeiten. Mit im „Tross” waren Vertreter der Baufirmen und Planungsbüros.

„Was wir hier leisten und bereits geleistet haben, ist ein Kraftakt mit der Zielsetzung Naherholung und Tourismus”, verdeutlichte Bürgermeister Manfred Erdweg die über den Naturschutz und Hochwasserschutz hinaus reichende Bedeutung der Sanierungsarbeiten im Marienbruch.

Dieser Wald sei gewissermaßen der „Stadtwald von Wassenberg”, meinte Erdweg und verwies auf einige Hunderttausend Besucher, die - gefördert durch die Kooperation mit dem Meinweg - jährlich zu erwarten seien.

Wenig anziehend waren zuletzt der Untere und Obere Weiher. Diese vom Gasthausbach gespeisten Gewässer verschlammten; die Wassertiefe sank, die Wassertemperatur stieg, zu viel Laub sammelte sich an, Fische konnten nicht mehr ständig in den Weihern leben, unerwünschte Pflanzenarten wucherten und Geruchsbelästigungen traten vermehrt auf.

Doch damit nicht genug: Die nach starken Regenfällen aus dem Überlaufbecken „Alt Holland” (Erkelenzer Straße) in den Gasthausbach hinein schlagenden Hochwasserwellen haben starke Erosionen verursacht - sogar ein altes Abflussrohr der ehemaligen Seidenweberei Krahnen & Gobbers hat der zeitweise „wilde” Gasthausbach freigelegt.

Außerdem sind die Abschlussdämme der Weiher allmählich undicht geworden; die Standfestigkeit des oberen Dammes ist beeinträchtigt und der untere Dammkörper bereits schwer beschädigt.

Stahlprofile werden als Spundwände gesetzt

or dem Oberen Weiher werde nun ein Sandfang angelegt, aus dem Ablagerungen abgeräumt werden könnten, erläuterte Silvia Vassilliere vom Planungsbüro Ageva. Wasserbausteine verstärkten das Bachbett im Oberlauf und entzögen dem Wasser gleichzeitig Energie; des Weiteren sei die Befestigung der Uferböschungen vorgesehen.

Acht Meter lange Stahlprofile werden sowohl am Sandfang als auch an den Dämmen per Ramme zu Spundwänden zusammengefügt, die den Dammkörpern wieder Dichte und Festigkeit verleihen. Da die Dämme auch als Spazierweg dienen, werden Brücken über die Wasser-Ablaufstellen geschlagen.

Ein weiteres Sandfangbecken liegt in der Nähe des Pontorsonplatzes, ehe der offene Gasthausbach in Rohren verschwindet, unterhalb der Parkstraße und Graf-Gerhard-Straße weiterfließt, um am Breiten Weg wieder aufzutauchen und am Neubaugebiet „Orsbecker Feld” entlangzuplätschern (siehe oben).

Spaziergängern bietet sich gegenwärtig im Marienbruch ein etwas desolates Bild, doch schon zu Beginn der Wachstumsperiode sollen die Arbeiten beendet sein. Mancher Baum musste geschlagen werden, aber, so Erdweg, es habe sich lediglich um Pflege- und Sicherungsmaßnahmen oder solche Einschläge gehandelt, die nötig gewesen seien, um die Sanierungsarbeiten zu ermöglichen.

Zahlen und Daten

Der Renaturierungsbereich Gasthausbach hat eine Länge von 300 m und beansprucht eine Gesamtfläche von 4500 m2. Die Planungskosten betragen 18.000 Euro, die Baukosten 117.000 Euro, Zuschüsse werden gewährt in Höhe von 80.500 Euro.

Die Sanierungsarbeiten im Marienbruch haben am 3. Februar begonnen und enden mit Beginn der Vegetationsperiode; die Entschlammung der Weiher fand bereits im Dezember und Januar statt. Die Planungskosten betragen 75.000 Euro, die Baukosten 370.000 Euro.