Wassenberg-Ophoven: Beten ist auch mit Lebensfreude verbunden

Wassenberg-Ophoven : Beten ist auch mit Lebensfreude verbunden

Nach Ophoven geht oder fährt man gern: Ob zur traditionellen Wallfahrt im Sommer oder zur Kinderkrebshilfe im November.

Es ist die besondere Atmosphäre in ihrer Mischung volksverbundener Gläubigkeit und kulturhistorischer Ausdrucksformen von Romanik und barocker Ausstattung in dieser einzigartigen Kirche von 1196.

Und so konnte Propst Rainer Mohren zur festlichen Eröffnungsmesse der Wallfahrt 2003 wieder viele Besucher begrüßen, die aus dem ganzen Umland gekommen waren.

Der heiße Sommer hatte zudem eine Pause eingelegt, und so nahmen Festmesse und anschließendes „Wiesenfest” des Kirchenchores am Samstag einen glücklichen Verlauf.

Die „Begegnung mit Maria” und der Menschen ist der Grundgedanke dieser Wallfahrten, zu denen bereits am Vorsonntag die Pfarren St.Martinus Orsbeck, St. Johann Baptist Myhl und St. Mariä Himmelfahrt Wassenberg-Oberstadt gekommen waren.

An diesem Sonntag wurde die Vielzahl der Prozessionen fortgesetzt von der Sternwallfahrt der Gemeinschaft der Gemeinden St. Lambertus Birgelen, St.Georg Wassenberg und St. Martinus Steinkirchen-Effeld.

Am Dienstag, 26. August, um 18.30 Uhr, folgt eine Eucharistiefeier für Altardiener und am Dienstag, 2.September, um 18.30 Uhr eine Messfeier mit Krankensalbung.

„Marientracht” am 7.September

Den Abschluss bildet die „Marientracht” zu „Maria Geburt” am Sonntag, 7.September, um 17 Uhr. Dann „geht Maria durch den Ort zu den Menschen”.

Das berühmte Ophovener Gnadenbild von 1350 zieht dann, getragen in einer Art Sänfte von den Offizieren der Marianischen Schützenbruderschaft Ophoven, durch die Straßen des Dorfes. Zur Messfeier im Pfarrgarten predigt diesmal Pfarrer Gottfried Graaff aus Gangelt.

Die Festmesse zur Eröffnung behält denkwürdigen Charakter. Der Kirchenchor unter Leitung von Peter Krings gestaltete sie am Samstag mit besonderem Einsatz. Eine einführende Improvisation für Trompete (André Kohlen) und Orgel (Vincent Heitzer) gab ihr besonderen Gehalt.

Die wohlklingenden Motetten aus alter Zeit hatten nichts von ihrer innigen Ausdrucksweise verloren. Besonders das Schlusslied „Breit ums uns deinen Mantel”, als Ophovener Marienlied den älteren Zeitgenossen noch vertraut, hatte Peter Krings überarbeitet.

Nach einem festlichen Zug vom alten Pfarrhaus zur Kirche zeigte Propst Mohren am Schluss die „Ophovener Schmuckstücke”. Er konnte dabei auf uralte Gewohnheiten zurückgreifen.

Da steht an der Spitze in ihrem offenen Schrein, mit sommerlichen Blumen geschmückt, die Madonna. Sie gehört zu den schönsten rheinischen Madonnendarstellungen aus der Zeit um 1350. Sie wird von vielen Kunstsachverständigen gerühmt.

Der Antwerpener Schnitzaltar mit den Darstellungen aus dem Marienleben gehört zu den besten Arbeiten jener Schnitzschule des 16.Jahrhunderts.

Leider fehlt immer noch die „Flucht nach Ägypten”, jene Darstellung im rechten Kästchen, erste Reihe. Sie wurde vor zwei Jahren gestohlen. Das „Loch” mahnt den oder die Täter immer wieder, doch noch in sich zu gehen und die „Flucht” zurückzubringen!

Eine besondere Kostbarkeit, die nur zur Wallfahrt gezeigt wird, ist die filigranhafte ausgesprochen kleine „Anna Selbdritt”. Während des übrigen Jahres bleibt sie wohlverschlossen. Jetzt vervollständigt sie den Marienaltar zur besonderen Freude der Besucher.

Eine weitere Besonderheit sind die Votivtafeln mit silbernen Erinnerungsschildern gläubiger Menschen aus mehreren Jahrhunderten. Zusammengefasst auf zwei großen Tafeln, schmücken sie während der Wallfahrt den Marienaltar.

Eine dritte Kostbarkeit ist ein Reliquiar mit einem Teil des „Marienkleides”. Mit der Segnung dieser kleinen Monstranz schloss die Darstellung in der Wallfahrtskirche.

Viele Besucher und beste Stimmung

Der enorm große Besuch des anschließenden „Wiesenfestes” hinter der Mehrzweckhalle bei bester Stimmung lieferte den Beweis dafür, dass die Wallfahrer in der Ruraue schon immer etwas davon gehalten haben, gläubiges Beten auch mit Lebensfreude zu verbinden.