Erkelenz: Berauschende Fahrt im Orient-Express

Erkelenz : Berauschende Fahrt im Orient-Express

„Aus dem Reich der Sagen und Legenden” kamen die Musikstücke, mit denen das sinfonische Blasorchester des Städtischen Musikvereins in der Aula des „Cusanus” sein umjubeltes Frühjahrskonzert bestritt.

Den Zuhörern boten die Musiker einen Ohrenschmaus, der schnell vergessen ließ, dass dort Amateure am Werk waren. Unter der Leitung von Hans-Paul Breuer bewiesen die Bläser ihr Können.So zum Beispiel bei Richard Wagners „Einzug der Gäste” aus der Oper „Tannhäuser”.

Breuer vergaß nicht, den Ursprung und weitere wissenswerte Fakten zu den dargebotenen Stücken zu erklären. Den Sängerkrieg auf der Wartburg interpretierte er kurzerhand als „Deutschland sucht den Superstar” des zwölften Jahrhunderts. Der Dirigent verriet dabei auch, dass es sich dabei um das erste Stück handelte, bei dem er selber als Trompeter in einem Orchester auf der Bühne stand.

Aus der irischen Sagenwelt stammte das Stück „Der Traum des Oenghus”, bei dem ein junger Prinz sich unsterblich in ein Mädchen verliebt, das ihm im Traum erscheint. Sehnsucht und nächtliche Stimmung wurden von dem Orchester greifbar dargestellt und konnten vom begeisterten Publikum sehr gut nachvollzogen werden.

Dass sinfonische Blasmusik auch sehr modern sein kann, bewiesen die Musiker um Breuer mit ihrer Interpretation der „Saga Candida”. Das Musikstück stellt eine Hexenjagd bis hin zum Tod der vermeintlichen Hexe auf dem Scheiterhaufen dar. Es stammt aus der Feder des belgischen Komponisten Bert Appermont, der es vor fünf Jahren komponiert hat. Die vorgetragene Suite stellt eine thematische Zusammenfassung des Stückes dar. Besonders beeindruckend waren die eingebauten Mönchsgesänge und die Angstschreie des Opfers auf dem brennenden Scheiterhaufen. Liebe, Sehnsucht und Angst wurden von den Solisten an Saxophon, Oboe, Posaune und Trompete greifbar transportiert.

Lob für das Orchester

Auch die Fahrt im „Orient-Express” wurde von dem Orchester greifbar und realistisch umgesetzt. Breuer fand in den Pausen zwischen den Stücken auch Gelegenheit, sein Orchester für die dargebotene Leistung zu loben. Eine „Eins mit Sternchen” gab es seiner Auffassung nach für den gesamten ersten Teil des Konzertes.

Nach einer kleinen Pause stellte auch die Junior-Band ihr musikalisches Können unter Beweis. Dabei bedienten sich die jungen Musiker unter Leitung von Karl-Heinz Wawrzinek neben bekannten Orchesterstücken wie „Mars” in der Interpretation von Jay Bocook auch moderner Stücke wie „Spider Pig”, das Fans der US-Zeichentrickserie „Simpsons” aus dem gleichnamigen Kinofilm bekannt sein sollte.

Auch die Bläserklasse des Nachwuchses kam unter der Leitung Breuers zum Einsatz und spielte sich zu Beginn des Konzertes in einem rund 15-minütigen Einsatz in die Herzen der Zuhörer. Nach rund zwei Stunden und einer beeindruckenden Gesamtleistung ernteten die Musiker den wohlverdienten Applaus des begeisterten Publikums in der voll besetzten Aula.