Erkelenz-Kückhoven: Bei Frau Wirtin machen Männer eine Ausnahme

Erkelenz-Kückhoven : Bei Frau Wirtin machen Männer eine Ausnahme

„140 Jahre... und kein bisschen... leise!” So das Motto vom Böllerclub-West Kückhoven, der seit 140 Jahren die Ereignisse in Kückhoven mit lautem Knall begleitet.

Dieser Geburtstag ist auch Anlass, am Wochenende zu einem Sommerfest auf der Festwiese neben der Gaststätte Wagner einzuladen. Die Satzung verrät, dass es 1864 der Junggesellenverein vom Kleinend war, der die Tradition aufnahm, am Fronleichnamstag, am Vorabend kirchlicher Hochfeste, bei Goldhochzeiten der Mitgliedern und am Vorabend der kirchlichen Trauung eines Mitgliedes zu Böllern.

Dreifaltigkeitsschießen bezeichnen die Mitglieder das Böllern zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Seit der Gründung sind es 18 Salutschüsse, die das Fronleichnamsfest ankündigen.

Neben diesem Brauch, der heute nur noch im Süden Deutschland üblich ist, bereicherte der Böllerclub das kulturelle Leben in Kückhoven viele Jahre mit Theateraufführungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte das Theaterspiel zwar wieder auf, wurde nach einigen Jahren ein Opfer der Zeit. Andere Interessen rückten in den Mittelpunkt.

Geblieben ist das Böllern. Nach der strengen Satzung von 1864, die auch heute noch Gültigkeit hat, können nur unbescholtene Männer Mitglied werden, die in den klar abgesteckten Grenzen der Nachbarschaft „Kleinend” wohnen. Bei einem Umzug scheiden sie aus. Frauen ist die Mitgliedschaft verwehrt.

In den 140 Jahren wurde nur eine Frau aufgenommen: Wirtin Maria Schneider. Als Dank für ihre jahrelange Betreuung wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt. Ihr zu Ehren erhielt die Kanone den Namen „Santa Maria”.

Wer in den Böllerclub aufgenommen werden wollte, musste bei der Generalversammlung am Fronleichnamstag seinen Namen im Versammlungsraum auf eine Tafel schreiben. War der Name bei der nächsten Generalversammlung auf der Tafel noch zu lesen, wurde er offiziell aufgenommen. Hatte jemand den Namen innerhalb des Jahres abgewischt, lag keine Einstimmigkeit vor. Der Antrag auf Mitgliedschaft wurde abgewiesen.

So streng wie die Satzung sind auch die Vorschriften beim Böllern. Der TÜV prüft regelmäßig Kanone und Handfeuerwaffe; mit dem früher üblichen Katzekopp wird schon lange nicht mehr geböllert. Auch die Bedienung der Waffen darf nur von einem ausgebildeten Schießmeister vorgenommen werden. Er hat auch alleine die Berechtigung, das nötige Pulver zu beschaffen.

Auf das 140-jährige Bestehen darf der Böllerclub Kückhoven-West besonders stolz sein. Der TÜV bestätigte, dass er der älteste Böllerclub in Deutschland sei. Die meisten Clubs seien um 1900 gegründet worden.