Aachen: Bei Augenkrankheiten lassen viele Forschungen hoffen

Aachen : Bei Augenkrankheiten lassen viele Forschungen hoffen

„Von Kopf bis Fuß” lautet unser Motto beim 100. AZ-Forum Medizin am Dienstag, 13. November, 18 Uhr, im Großen Hörsaal 4 des Universitätsklinikums.

Schon jetzt haben wir das Thema für unsere Leser beleuchtet, und bei Expertinnen und Experten nachgefragt, was es Neues gibt „von Kopf bis Fuß”, etwa in der Augenheilkunde. „Netzhauterkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen von Sehverschlechterung und Erblindung, ganz besonders die altersbezogene Makuladegeneration”, erklärt hierzu Professor Dr. Peter Walter, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Aachen.

Präparate, die unmittelbar ins Auge injiziert werden, haben die Behandlung der Makuladegeneration revolutioniert. „Ende des Jahres gibt es ein neues Präparat, das vielleicht die Chance eröffnet, dass die doch sehr kostspieligen Spritzen nicht mehr so häufig gegeben werden müssen”, sagt Walter.

Mit dem elektronischen Schrittmacher für die Netzhaut können Patienten, die unter „Retinitis Pigemtosa” leiden, bestimmte Sehleistungen zurückgewinnen - ein großer Erfolg. Und wie ist der Stand bei Hornhauttransplantationen? „Wurde früher die gesamte Hornhaut ersetzt, tendieren wir jetzt eher zum Ersatz einzelner Hornhautschichten. Die Nebenwirkungen sind geringer, das Ergebnis ist häufig besser.”

Große Hornhautbank

Das Uniklinikum Aachen betreibt die zweitälteste Hornhautbank in Deutschland und arbeitet intensiv mit „Bislife” (zuvor Eurotransplant), der europäischen zentralen Gewebebank, zusammen. „Patienten warten normalerweise nur wenige Wochen auf ein geeignetes Transplantat”, versichert der Klinikchef. Intensiv treibt man die Entwicklung einer Gentherapie zur Behandlung degenerativer Netzhauterkrankungen voran. Hier sollen körpereigene Zellen so modifiziert werden, dass sie bei „Rückkehr” ins Auge den Degenerationsprozess aufhalten. Mit der optischen Kohärenztomographie (OCT) steht zudem ein verbessertes diagnostisches Verfahren bei Augenerkrankungen zur Verfügung. „Wir können damit das Innere der Netzhaut in nahezu mikroskopischer Auflösung erkennen”, erklärt Walter.

Fachübergreifendes Arbeiten ist für die Augenspezialisten wichtig. Entzündungen des Sehnervs und Durchblutungsstörungen von Hirnbereichen, die für die Verarbeitung von Sehinformationen zuständig sind, verlangen die Kooperation mit den Neurologen. Walter: „Da diskutieren wir sehr häufig gemeinsam die Fälle.” Neben der Arbeit mit Retina Implantaten betreibt die Klinik - gemeinsam mit Instituten der RWTH und dem Forschungszentrum Jülich - Grundlagenforschung zur elektrischen Netzhautstimulation.

„Ein ähnlich aufregendes Projekt ist die Implantation eines Sensors, der den Augeninnendruck bei Patienten überwacht, die am Grünen Star leiden”, berichtet Walter. „Ein überhöhter Druck schädigt den Nerv und kann zur Erblindung des Auges führen.” Ein Funksensor liefert nun unter Alltagsbedingungen (nicht selten rettende) Informationen über die Entwicklung des Augendruck.