Behinderte Mütter wollen kein Bedauern

Behinderte Mütter wollen kein Bedauern

Wegberg (an-o) - An dem Modellprojekt "Mütter mit Behinderungen" des Landesverbandes der Mütterzentren wird sich auch das Mütterzentrum "Regenbogen" beteiligen und eine Gruppe für Mütter mit Körper- und Sinnesbehinderungen oder chronischen Erkrankungen anbieten.

Vertreterinnen des Dortmunder Projektbüros stellten ihr Modellprojekt gestern interessierten und betroffenen Müttern vor. Für Mütter mit Behinderungen gebe es kaum Treffpunkte, sie seien vielmehr darauf angewiesen, selbst nach Lösungen ihrer vielfältigen Probleme zu suchen, so Diplompädagogin Anne Gockel-Werner vom Projektbüro. Ziel des Projektes, das nach fünf Jahren jetzt endlich von "Aktion Mensch" gefördert werde, sei eine möglichst umfassende Vernetzung betroffener Mütter, die Einrichtung einer Beratungs- und Unterstützungsstelle, die Interessenvertretung der Mütter und die Durchführung von Bildungsmaßnahmen.

Diplompsychologin Christiane Rischer, selbst behinderte Mutter von zwei Kindern: "Das Projekt will grundsätzlich der Tatsache Rechnung tragen, dass eine der Lebensperspektiven behinderter Frauen auch die Mutterschaft ist." Der Kinderwunsch sei für behinderte ein ebenso zentrales Lebensziel wie für nicht behinderte Frauen. Leider jedoch stünden sie der Mutterschaft meist ohne Unterstützung gegenüber. Vor allem fehle es an Angeboten, an denen behinderte Mütter mit ihren Kindern teilnehmen könnten.

Fragen und Probleme

Die Kombination von Behinderung und Mutterschaft zieht viele Fragen und Probleme nach sich, die der Unterstützung durch Betroffene oder Experten bedürfen Zugangsmöglichkeiten zu solcher Unterstützung fehlen aber häufig. "Behindert ist man nicht, man wird es erst", brachte Frau Rischer es auf den Punkt. Bauliche Barrieren, eingeschränkte Mobilität, aber auch gesellschaftliche Vorurteile seien dauernde "Behinderungen" im selbstbestimmten Leben behinderter Mütter. Das Projekt verfolge deshalb die Idee von Integration, Selbstbestimmung und Hilfe durch Selbsthilfe für behinderte Mütter mit ihren Kindern.

Bei der Projektvorstellung anwesende Mütter mit Behinderungen machten die Vielschichtigkeit der Problematik anschaulich und deutlich. Eine durch Krankheit erblindete Frau, früher in der Lage, ihren jetzt schon großen Kindern ganz Mutter zu sein, bedauerte es, das nur noch sehr eingeschränkt ihrer jetzt achtjährigen Tochter bieten zu können. Welche banalen Probleme, tiefgreifend aber in ihren Auswirkungen, sich zeigen können, verdeutlichte eine Mutter im Rollstuhl. Für Pessimismus jedoch ließ auch sie keinen Raum, ihr Wunsch nach Familie habe letztlich zu einer Erhöhung der Lebensqualität geführt. Bedauern und Bemitleiden führe nicht weiter.