Kreis Heinsberg: Begeisterung über Sinfonieorchester Aachen und Geiger Yury Revich

Kreis Heinsberg : Begeisterung über Sinfonieorchester Aachen und Geiger Yury Revich

Einen besseren Schlusspunkt für die Meisterkonzerte der Anton-Heinen-Volkshochschule in der Saison 2017/2018 hätte es kaum geben können: Das Sinfonieorchester Aachen spielte in der Erkelenzer Stadthalle Werke von Edvard Grieg (Ausschnitte aus den Peer-Gynt-Suiten), Felix Mendelssohn Bartholdy (Violinkonzert e-Moll op. 64) und Franz Schubert („Die Unvollendete“).

Schon seit fast 300 Jahren gibt es das Sinfonieorchester Aachen. Und seit langem ist es eine feste und hoch geschätzte Größe in der Region. Seine Entwicklung haben entscheidend mitgeprägt frühere Musikdirektoren wie Fritz Busch, Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch und in jüngster Zeit Marcus Bosch und Kazem Abdullah.Das Meisterkonzert in Erkelenz bewies eindrücklich die hohe musikalische Qualität des Sinfonieorchesters, die auch bekannten Musikstücken neue Impulse verlieh. Die Leistung des Orchesters wurde noch übertroffen von Yury Revich, dem 26-jährigen österreichischen Geiger russicher Herkunft, in allen großen Konzerthäusern weltweit zu Hause und Träger des Musikpreises Echo Klassik 2016. Und noch eine Besonderheit: Er spielte auf einer Stradivari von 1709.

Das Konzert begann mit Sätzen aus den Peer-Gynt-Suiten, der Suite Nr. 1 op. 46 und der Suite Nr. 2 op. 55. Und sofort erwies sich Justus Thorau als ein Meister des Dirigentenstabes, der äußerst temperamentvoll, aber ebenso sensibel immer wieder seine Musiker zu Höchstleistungen „anstachelte“. Dabei verstand er es, die Wesenszüge der nordischen Musik von Grieg mit ihrer Schwermut, aber auch mit ihrem eigenwilligen Tanzrhythmus zum Klingen zu bringen. Da ging es weniger um den Verstand als um das Herz.

Über das Violinkonzert sagte Anne Sophie Mutter, selber eine begnadete Geigerin und voller Begeisterung für die Suggestion, die von diesem Werk ausgeht: „Es vereint, was große Musik ausmacht: Leidenschaft, Virtuosität, Reinheit des Ausdrucks, Tiefe der Empfindung, bedingungslose Hingabe an den musikalischen Ausdruck. Es ist ein Geniestreich, und diese Musik ist unsterblich.“ Und die Ovationen des Publikums in der Stadthalle bewiesen, dass ­Mutter mit dieser Beurteilung durchaus recht hatte.

Nach der Pause folgte dann die Sinfonie in h-Moll D 759 („Die Unvollendete“) von Schubert. Wer sie in der Interpretation der Aachener Sinfoniker gehört hat, versteht, warum sie zu den populärsten Stücken der Weltmusikliteratur gehört. In ihr kommen fast alle menschlichen Gefühle zum Ausdruck, vom tänzerisch Heiteren bis zur geheimnisvollen Todessehnsucht. Als Zugabe nach Blumen für den jungen Dirigenten und den Solisten gab es noch einmal Solvejgs Lied von Grieg, das die Heimkehr des Geliebten nach vielen Irrfahrten besingt.

(ulla)
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