Heinsberg: Begabten-Förderung bleibt bestehen

Heinsberg : Begabten-Förderung bleibt bestehen

Das Abitur nach zwölf Jahren soll für alle Gymnasiasten in Nordrhein-Westfalen zum Regelfall werden, alle Fraktionen des Landtages sind sich in diesem Punkt einig.

Der Zeitpunkt der Einführung steht allerdings noch nicht fest. Am Kreisgymnasium Heinsberg wurde in diesem Schuljahr erstmals eine so genannte „Profilklasse” eingerichtet, die es nur besonders begabten Schülern ermöglichen soll, nach nur zwölf Jahren die Reifeprüfung abzulegen.

Hat sich die Idee der „Profilklasse” mit dem geplanten Schritt der Landesregierung etwa jetzt schon überlebt?

„Keineswegs”, meint Annegret Krewald, die Leiterin des Kreisgymnasiums. „Wir fühlen uns in unserer Arbeit sehr bestätigt, weil wir nicht kurzsichtig auf eine bloße Zeitverkürzung gesetzt haben, sondern auf die Begabtenförderung. Unser Angebot wird Bestand haben.”

Bis jetzt, so Krewald, handele es sich ja lediglich um eine Absichtserklärung, die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre zu verringern. „Es ist die Frage, wann die Umsetzung sein wird.”

Nach Meinung der Oberstudiendirektorin sei es zudem wenig sinnvoll, eine Stoffstraffung nur in den letzten drei Schuljahren von Klasse 11 bis 13 durchzuführen. Dabei bliebe zuviel auf der Strecke.

Schonender sei die unumgängliche Reduzierung des Unterrichtsangebotes, wenn sie über die gesamte gymnasiale Laufzeit - also schon von Klasse fünf - erfolge.

Die offensichtliche Begeisterung der Landespolitiker für eine Schulzeitverkürzung sieht Annegret Krewald ohnehin mit durchaus gemischten Gefühlen. „Wir würden es bedauern, wenn es zu massiven Abstrichen des Lehrstoffes käme.”

Schließlich habe das Gymnasium einen Bildungsauftrag. Und einen früheren Berufseinstieg auf Kosten der Bildung zu ermöglichen, hält die Pädagogin für bedenklich.

26 Kinder befinden sich derzeit in der am Kreisgymnasium eingerichteten „Profilklasse”. Die Erwartungen an das Projekt hätten sich bislang voll erfüllt, so Krewald.

Die Regelklassen würden ebenfalls davon profitieren. Die Begabtenförderung werde daher am Kreisgymnasium auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen, egal ob und wann das Abitur nach nur zwölf Schuljahren zum Normalfall werde.

Letztlich stünden ja dem Profilklassen-Modell zwei Optionen offen: Entweder die Schulzeit für besonders Begabte bei zwölf Regelschuljahren noch weiter zu verkürzen oder ein Mehr an Unterrichtsstoff zu vermitteln, das auf dem Abschlusszeugnis dann einen Niederschlag finden werde.