Kreis Düren: Baustellen der Zukunft: „Wir brauchen ein Zentrum für Gründer“

Kreis Düren : Baustellen der Zukunft: „Wir brauchen ein Zentrum für Gründer“

„Die Arbeitsplätze entstehen im Mittelstand. Darum beneiden uns andere Volkswirtschaften“, ist Rolf Delhougne überzeugt. Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) feiert ihren 60. Geburtstag.

„Nach wie vor braucht es eine Politik für den Mittelstand“, sagt der MIT-Kreisvorsitzende im Gespräch mit unserem Redakteur Stephan Johnen. Mit Blick auf die kommenden 60 Jahre macht Delhougne auch an der Rur noch einige Baustellen aus.

Die Mittelstandsvereinigung wird 60. Herzlichen Glückwunsch. Aber wofür braucht eine globalisierte Wirtschaftswelt eine solche Vereinigung?

Delhougne: Ganz platt formuliert: Damit es nicht noch mehr um das schnelle Geld geht, es nur noch Großkonzerne gibt. Der Mittelstand trägt unsere Wirtschaft, der Mittelstand sind auch und gerade die kleineren Unternehmen, die beispielsweise zwei Mitarbeiter haben und dennoch ausbilden, die vielen innovativen Familienunternehmen. Der Mittelstand steht für Nachhaltigkeit.

Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Delhougne: Es wird unternehmerisch in Generationen gedacht, gibt eine feste Verwurzelung in der Region.

Welche Rolle spielt da die MIT?

Delhougne: Unter unseren 600 Mitgliedern sind viele Unternehmer, Selbstständige und Kreative. Sie gehen Risiken ein und übernehmen Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Die Bundespolitik hat die großen Unternehmen im Blick, die weltweit tätigen Konzerne. Wir machen uns für den Mittelstand stark, wollen gute politische Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln schaffen.

Wie steht es denn um den Mittelstand an der Rur?

Delhougne: Gut. Im Kreis Düren gibt es sehr viele innovative Unternehmen. Ich sehe allerdings auch einige Probleme auf uns zukommen?

Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Delhougne: Generell könnte die konjunkturelle Lage besser sein. In Düren beobachte ich allerdings, dass die Fachkräfte knapp werden. Die soziale Balance der Stadt stimmt nicht mehr. Ich mache mir große Sorgen, dass die Belange der Wirtschaft und der Unternehmen nicht gehört werden.

Freuen Sie sich darüber, dass das Personal der Dürener Wirtschaftsförderung aufgestockt wird?

Delhoghne: Da hat die „Ampel“ einmal das Richtige getan, diesen Schritt unterstützen wir. Wichtig ist aber, dass es neben der Bestandspflege jetzt auch gelingt, Betriebe anzusiedeln, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Was fehlt in Düren?

Delhougne: Wir brauchen schnellstens ein Gründerzentrum, damit diese Entwicklungen nicht nur in Aachen, Köln und Düsseldorf stattfinden. In Zusammenarbeit beispielsweise mit der Sparkasse muss es uns gelingen, Existenzgründern unter die Arme zu greifen. Als Mittelstandsunion wollen wir unseren Beitrag leisten, um auch die Stärken unserer Region besser auszuspielen, sie überhaupt bekanntzumachen, neue Leute in die Region zu holen.

Wo liegen denn die Stärken?

Delhougne: Die Bildungslandschaft kann sich sehen lassen, das gilt von der Kita bis zur weiterführenden Schule. Die Verkehrsanbindung entlang der A4 könnte fast nicht besser sein.

Welche Baustellen gibt es noch?

Delhougne: In Düren streiten wir uns derzeit über jede Kleinigkeit und verlieren das große Ganze aus dem Blick. Der Indeland-Beitritt hätte schon längst erfolgen müssen, allerdings ist es vermutlich eh schon zu spät, viele Fördermittel dürfte es bei RWE nicht mehr zu holen geben.

Was bereitet Ihnen mit Blick auf Wirtschaft und Unternehmen die größten Sorgen?

Delhougne: Ich habe Angst, dass sich Teile der Politik noch mehr von der Lebenswirklichkeit der mittleren, kleinen, und kleinsten Unternehmen und Betriebe entfernen. Und ich befürchte, dass es immer schwieriger für Firmenlenker wird, geeignete Nachfolger zu finden.