Kreis Düren: Bauern haben Angst vor neuer Erbregelung

Kreis Düren : Bauern haben Angst vor neuer Erbregelung

„Greift die neue Erbschaftssteuer die Substanz der Höfe an?” - das war die Gretchenfrage, die die Kreisbauernschaft Düren e.V. und die Sparkasse Düren gemeinschaftlich zum Thema einer Informationsveranstaltung gemacht haben.

„Wir sind von der großen Resonanz völlig überwältigt” , freute sich Sparkassendirektor Udo Zimmermann und musste tief in die Schalterhalle der Sparkasse schauen, um die über 200 Interessierten überhaupt in den Blick nehmen zu können. Das Thema bewegt und beunruhigt, ist es doch von höchster Bedeutung für jeden landwirtschaftlichen Betrieb.

Der Kreisbauernvorsitzende Franz Josef Kügelgen erklärte: „Es gilt, unsere Betriebe möglichst ohne steuerliche Belastung an die nächste Generation zu übergeben und für eine Erbregelung Sorge zu tragen, die den Betrieb in seinem Bestand erhält.”

Ob dies künftig gelingt, ist fraglich. Steuerberater Bernd Heinrichs, Referent der Veranstaltung, steht dem Gesetzentwurf zur Reform der Erbschaftssteuer, der voraussichtlich am 1. Juli 2008 in Kraft tritt, sehr skeptisch gegenüber.

Für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe führten die Neuregelungen zu Erschwerungen und Verschlechterungen. „Der große Nachteil ist nicht nur die immense Bürokratisierung.

Im Einzelfall kann es sogar sein, dass Vermögen stark belastetet wird und durch Vater Staat verschwindet”, befürchtet Heinrichs, Steuerexperte in der Buchstelle für Landwirtschaft und Gartenbau in Jülich (PARTA).

In seinem Vortrag bewertete Bernd Heinrichs anhand von Berechnungsbeispielen die Eckpunkte der Erbschaftssteuerreform auf ihre Praxistauglichkeit. Dabei kristallisierte sich heraus, dass sich bestimmte Novellierungen überaus nachteilig für einen landwirtschaftlichen Betrieb auswirken können.

So blieben nach dem bisherigen Gesetzentwurf verpachtete Flächen bei der Begünstigung von Betriebsvermögen außen vor. Da das Verpachten jedoch zur gängigen Praxis gehöre, warnte Heinrichs: „Die Hofverpachtung als Form der Betriebsnachfolge könne demnächst schädlich sein.”

Eine steuerliche Benachteiligung der Zupachtflächen könne nicht nur ein finanzielles Desaster beim Erbgang hervorrufen, sondern werde auch zu einem deutlichen Rückgang der Pachtflächen führen und insgesamt zu einer Gefährdung der Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der Betriebe.

Als ein sehr kritischer Punkt erweise sich auch die Behaltensfrist, landwirtschaftliche Betriebe erst nach 15 bis 20 Jahren und ohne jede Staffelung aus der Verschonungsregel herauszunehmen, erläuterte der Steuerexperte und fragte in die Runde: „Welcher Nachfolger kann heute schon entscheiden, ob er einen landwirtschaftlichen Betrieb 20 Jahre aktiv weiterführen kann?”

Nachteilig davon betroffen seien besonders diejenigen Höfe, die aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb frühzeitig einstellen müssten und damit einer vollen Nachversteuerung ausgesetzt seien. Insgesamt, so Bernd Heinrichs, seien Nachbesserungen des Gesetzentwurfs dringend nötig.

Die Erbschaftssteuerreform betrifft jedoch nicht nur die Landwirte, sondern jeden. Verlierer der Reform sind schon jetzt die nicht von der Verschonungsregelung begünstigten Unternehmenserben, Immobilieneigentümer, Geschwister, Nichten und Neffen. Denn die werden im Erbfall künftig kräftig zur Kasse gebeten.

Daran werden auch die findigsten Steuerberater nichts ändern können. Vermutlich bleibt nur eine Lösung: Rechtzeitig mitsamt den Erben ins Nachbarland Österreich auswandern. Dort wird die Erbschaftssteuer in Kürze nicht mehr erhoben.