Städteregion: Austausch soll die Sucht-Selbsthilfe weiter stärken

Städteregion : Austausch soll die Sucht-Selbsthilfe weiter stärken

Der Titel könnte durchaus missverstanden werden: „Braucht Selbsthilfe Regeln?“, heißt es da in der Einladung zu einer Veranstaltung, die das Selbsthilfebüro der Städteregion und die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes organisieren. Doch um Maßregelung oder das Aufdecken von Missständen wird es am Mittwoch in Eschweiler sicherlich nicht gehen, betonen Astrid Thiel und Astrid Göttgens.

Ganz im Gegenteil: „Es geht um die Wertschätzung des Bestehenden. Wir wollen die Schätze, die es gibt, bewahren und anderen zugänglich machen“, umschreiben die beiden Suchttherapeutinnen ihr Ziel. Und: „Wir möchten eine Kultur des Austausches schaffen, von dem alle Selbsthilfegruppen profitieren können.“ Die Premiere könnte in diesem Sinne den Auftakt zu einer Veranstaltungsserie mit regelmäßigen, jährlichen Treffen bilden.

Astrid Göttgens (l.) und Astrid Thiel finden viele lobende Worte für die Arbeit der Suchtselbsthilfegruppen.
Astrid Göttgens (l.) und Astrid Thiel finden viele lobende Worte für die Arbeit der Suchtselbsthilfegruppen. Foto: M. Grobusch

Wie groß der Kreis der potenziellen Interessenten ist, belegt eine Zahl: In der Städteregion sind derzeit rund 250 Selbsthilfegruppen aktiv, davon knapp ein Viertel in den neun Kommunen des ehemaligen Kreises Aachen. Längst nicht alle widmen sich dem Thema Sucht. Und dennoch gibt es auch in diesem Bereich eine Vielzahl von Angeboten. „Diese unterscheiden sich allerdings zum Teil erheblich“, gibt Astrid Thiel zu bedenken. Die Bandbreite reiche von den anonymen Alkoholikern, die ganz bewusst auf die feste Verteilung von Aufgaben in der Gruppe verzichteten, bis hin zum Kreuzbund, der auf eine klare Hierarchie setze.

„Jede Gruppe hat ihre eigenen Regeln. Vielleicht ist manche von ihnen auch für andere Gruppen interessant“, meint Astrid Göttgens und nennt einige Beispiele: „Wie gehe ich in der Gruppe mit häufiger Abwesenheit um? Was mache ich mit Vielrednern? Wie reagiere ich auf einen Rückfall? Oder wie verhalte ich mich, wenn ein Mitglied betrunken zum Treffen der Gruppe kommt?“ Sicherlich gebe es längst nicht für alle Fälle und Situationen eine Regel in jeder Gruppe. „Insofern können die Gruppen von einem Austausch eigentlich nur profitieren.“

Von der Arbeit der vielen Selbsthilfegruppen wiederum profitieren Hunderte Menschen in der Städteregion. „Denn sie setzt dort an, wo die professionelle Hilfe endet, und bietet eine dauerhafte Unterstützung“, betont Astrid Thiel. Jede Therapie und jede Begleitung durch die Beratungsstellen hätte einen Anfang und ein Ende. „Eine Sucht hingegen ist nicht begrenzt, sondern eine chronische Erkrankung, mit der die Betroffenen ein Leben lang klarkommen müssen.“ Die Selbsthilfegruppe hätten in diesem Kontext ein großes positives Einflusspotenzial. Das kann Astrid Göttgens nur unterstreichen: „Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele chronisch Kranke ihre Sucht durch den regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe in den Griff bekommen.“

Deshalb wollen die Suchtberatung und das Selbsthilfebüro diese Arbeit noch stärker unterstützen. Ein regelmäßiger Austausch könne hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, zeigt sich Astrid Thiel überzeugt. Sie hofft deshalb auf eine rege Teilnahme. Allerdings gibt es eine kleine Einschränkung: Auch wenn die Initiatorinnen von der Aachener Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (AKIS) unterstützt werden, richtet sich die Veranstaltung am Mittwoch an Mitglieder von Selbsthilfegruppen aus dem Altkreis. Anmeldungen sind kurzfristig noch möglich. Sie werden im Selbsthilfebüro der Städteregion (Telefon 0241/ 5198-5319; Mail: astrid.thiel@staedteregion-aachen.de) angenommen.