Erkelenz-Lövenich: Ausstellung „Echt klasse” thematisiert sexuellen Missbrauch

Erkelenz-Lövenich : Ausstellung „Echt klasse” thematisiert sexuellen Missbrauch

„Echt klasse” heißt die Ausstellung, die derzeit an der Nysterbach-Schule in Lövenich gezeigt wird. Die Kinder sollen präventiv und spielerisch über die heiklen Themen Gewalt und sexueller Missbrauch aufgeklärt werden.

Konzipiert wurde die Ausstellung vom Kölner Verein „Zartbitter, der sich seit Jahren für die Aufklärung und Opferhilfe in diesem Bereich engagiert.

Schulleiterin Christiane Steinke und ihr Kollegium freuen sich über diese Möglichkeit, den rund 170 Schülern das heikle Thema spielerisch und leicht nahe zu bringen. Rund jedes vierte Mädchen macht in seiner Kindheit schlimme Erfahrungen durch Missbrauch oder sexuelle Annäherung durch einen Erwachsenen, auch die Zahl der betroffenen Jungs steigt.

Daher, so glauben die Pädagoginnen, ist es wichtig, die Kinder früh über das Thema zu informieren und ihnen Verhaltenstipps an die Hand zu geben. An sechs Spiel- und Mitmachstationen wird den Kindern in altersgerechter Form vermittelt, was sie zu ihrem Schutz gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch tun können. So lernen die Kinder, dass es kein „petzen” ist, wenn man sich Dritten anvertraut und welche Berührungen ihnen unangenehm sind. Wichtigste Botschaft: „Sag nein!”

„Die Ausstellung soll Mut machen, auch über schwierige Themen und belastende Erfahrungen zu sprechen und sich Hilfe zu holen”, betont Steinke, die die Ausstellung in einem Klassenraum mit den Kindergruppen besucht und ihnen auch die einzelnen Stationen erklärt. Zehn bis zwölf Kinder sind stets in dem Klassenraum, der die sechs Spielstationen beherbergt. Die jungen Besucher lernen nicht nur, dass sie „nein” sagen dürfen, sie üben auch gleich, wie laut das geht. In einer Ecke liegt auch ein großes Kissen auf dem Boden, auf dem sie auch üben können, passend zum „nein” aufzustampfen.

Zur Belohnung wartet am Ende der „Jubel-Thron”, der vor Freude jubelt, wenn sich das Kind drauf setzt. Oder das Geschenkpaket, das „das Wichtigste auf der Welt”, beinhaltet: einen Spiegel, in dem sich die Kinder selber sehen.

Die zehn Schüler der Klasse 3a gingen mit Ernst und Neugier an die Sache, steckten ihre Hände ins „Fühlkino” und ließen sich nebenan im „Riechkino” von angenehmen und unangenehmen Gerüchen überraschen. Überall gab es was zum Drücken, Anfassen oder Erforschen.

Dabei zeigte sich auch, dass es den Kindern nicht leicht fällt, über ihren Körper zu reden. „Daher sei es wichtig, sie spielerisch an die Themen heranzuführen. Die achtjährige Angelina war erstaunt, wie schwer die „Sorgenjacke” auf ihrer lastete und dass es Erleichterung bringt, seine Sorgen mit jemandem zu teilen und sich anzuvertrauen.

Ihr Klassenkamerad Felix wusste von einem Ereignis zu berichten, bei dem er viel Angst hatte. Denn auch über Gefühle zu sprechen und Angst nicht zu schlucken, ist wichtig.

„Die Kinder müssen ihren Gefühlen vertrauen”, so Steinke. „Das macht sie selbstbewusst.”

Wichtig sei, dass Schule und Eltern bei dem Thema „am selben Strang ziehen”, wie Steinke betont. Rund 80 Eltern besuchten die Ausstellung schon.

Der Kontakt der Schule zu Zartbitter kam über die Schulpflegschaft zustande. Vor zwei Jahren war der Verein schon mit einem Theaterstück zu dem Thema in Lövenich zu Gast. Den Kontakt wollen Steinke und ihre Kolleginnen pflegen und in regelmäßigen Abständen Ausstellungen und andere Projekte an die Nysterbach-Schule bringen.