Heinsberg-Unterbruch: Aus Metall, Glas und Licht wird Kunst

Heinsberg-Unterbruch : Aus Metall, Glas und Licht wird Kunst

Frage: „Ganz kurz, Frau Ott, was ist denn das?” Ott: „Das ist auch ein Kunstwerk von mir.” So einfach kann ein Dialog über zeitgenössische Kunst verlaufen. Mehr muss man eigentlich nicht wissen oder vielleicht doch noch etwas mehr. Die Arbeit, um die sich dieser Dialog drehte, heißt „Vorhang”, klingt auch nicht wirklich kompliziert und Kunst, wenn sie denn ein Künstler macht, ist es ja schließlich auch nicht.

„Vorhang” hängt im Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch und wurde zusammen mit den übrigen sehr schönen Arbeiten der Meisterschülerin von Gerhard Richter, Ursula Ott, jetzt „eröffnet”.

Die Kunstwerke von Ursula Ott sind nicht gerade billig, wenn man von einem Durchschittseinkommen ausgeht. Aber auch wer nur zum Gucken in den Kunstverein kommt, ist noch bis zum 25. September willkommen.

Wer die Ausstellung mit den Glasskulpturen der Düsseldorfer Künstlerin anschauen möchte, sollte sich auf jeden Fall vorher den Wetterbericht ansehen. Ursula Otts Werke bestehen aus Glas und Metall und Licht. Erst mit dem Licht fängt das Vergnügen der Betrachtung von Ursula Otts Arbeiten richtig an.

Das Objekt „Eppla” wechselt die Farbtöne je nach Lichteinfall oder der Reflektion dessen, was sich vor dem Objekt bewegt. Das Licht- und Farbenspiel ist nicht nur schön, sondern dringt tief in die Wahrnehmung eines Menschen ein. Beinahe berauschend ist die Einfachheit, mit der Ursula Ott Bekanntes in Kunst umsetzt.

Den Bildtitel „Eppla” zu ergründen, schafft selbst das allwissende Internet nicht. Wahrscheinlich stammt „Eppla” aus dem Schwäbischen, wo die Künstlerin 1960 geboren wurde, und bedeutet irgendwas wie „Apfel”. Die Form würde passen.

„Große Sonne” heißt eine andere in Unterbruch ausgestellte Arbeit, ebenfalls aus Glas und Metall. Mit einem Durchmesser von 113 Zentimetern ist sie eine der größten Arbeiten in der Ausstellung und die teuerste. Immerhin leuchtet die „Große Sonne” selbst im Dunkeln. Und sie sieht bei jedem Lichteinfall anders aus.

Schade ist für Kenner des Werks der Künstlerin ist aber, dass in Unterbruch keine ihrer Bodenarbeiten zu sehen ist. Stein, Gelbe Kuh und Atolle sind wunderschöne Arbeiten, nicht ganz frei von Humor, die den Zugang zu den im Kunstverein gezeigten Wandobjekten aus einem anderen Blickwinkel erleichtern würden.

Der erwähnte „Vorhang” hängt im oberen Raum des Kunstvereins neben „Tide”. Beide Werke sind Siebdrucke nach Fotografien. Obwohl fest in Plexiglas eingefasst, fallen sie etwas aus dem Rahmen, da die Künstlerin hier von ihren bevorzugten Materialien Glas und Metall abweicht. Ihrer Liebe zum Licht bleibt sie aber treu.

„Das ist auch ein Kunstwerk von mir”, erzählt Ursula Ott, der „Vorhang” sei tatsächlich als Vorhang in einem Hotelzimmer fotografiert worden. Die Struktur des Gewebes ist noch etwas zu erkennen, der Lichteinfall löst den realen Gegenstand aber fast auf. „Tide” hingegen bleibt auch als Kunstwerk noch recht nah an dem, was wohl jeder Strandgänger schon mit Faszination beim Wechsel der Gezeiten Ebbe und Flut beobachtet hat.

Auch zur aktuellen Ausstellung bietet der Kunstverein Region Heinsberg eine Edition an in einer Auflage von 25 Exemplaren, jede Arbeit nummeriert und signiert. Ursula Ott hat für ihre Edition den Titel „Segmente” gewählt, sie besteht aus technischem Glas und leuchtet so schön wie die großen Arbeiten.

Weitere Informationen zur Ausstellung sind erhältlich unter www.kunstverein-heinsberg.de oder unter 02452/65598.

Die Öffnungszeiten bis zum 25. September: freitags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.