Aus dem Gericht sofort ins Gefängnis

Aus dem Gericht sofort ins Gefängnis

Aachen/Heinsberg (an-o) - Der Tag des Urteils war vorerst der letzte Tag in Freiheit für einen 44-Jährigen Arbeiter aus Heinsberg. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner damals erst zehnjährigen Stieftochter verurteilte ihn das Landgericht Aachen zu sechs Jahren Haft.

Bis zum Schluss hatte der Mann bestritten, zwischen 1989 und 1991 seine heute 24-jährige Stieftochter zum Sex gezwungen zu haben. Die fünfte Große Strafkammer des Landgerichts folgte seinen Angaben nicht, sah die Schilderungen des Opfers als äußerst glaubwürdig an und verurteilte den Gemeindearbeiter zu sechs Jahren Freiheitsentzug. Noch im Gerichtssaal wurde er in Haft genommen.

Letztlich entscheidend für das Urteil war die Aussage des Opfers vor der Kammer (Vorsitz: Richterin Angelika Kasparek). Die junge Frau hatte in stockenden Worten ein Sex-Martyrium beschrieben. Immer wenn die damals Zehnjährige alleine zu Hause gewesen sei, habe ihr Stiefvater sie zum Sex gezwungen. Sie habe stets Angst bekommen, wenn die Garagentür zu fiel.

Unsinn eingeredet

Die Taten seien im Kinderzimmer, auf dem Boden des Flures und im Bad geschehen. Dem Mädchen redete der Stiefvfater laut Anklage ein, dass es die Väter so mit ihren Töchtern machen. Erst als sie älter wurde, begriff sie den Unsinn dieser Worte. Von einer Verurteilung wegen Vergewaltigung sah die Kammer ab. Nur drei Fälle sexuellen Missbrauchs von einer laut den Ermittlungen wesentlich höheren Zahl waren letztlich angeklagt.

Mit Klage gedroht

Die Sache kam erst 1998 ans Licht, als die Stieftochter längst ausgezogen war und in Düsseldorf in einem Krankenhaus arbeitete. Selbst die Mutter wollte ihr zunächst nicht glauben, der Stiefvater drohte sogar mit einer Zivilklage auf Unterlassung der Behauptung. Erst da ging die junge Frau zur Polizei.