"Aufwertung des Berufsstands"

"Aufwertung des Berufsstands"

Kreis Heinsberg (an-o) - Das Bundesverfassungsgericht hat den Beruf "Altenpfleger" jetzt als Heilberuf eingestuft. Bernd Bogert, Leiter von Haus Berg in Brachelen, ordnet die Wirkung dieses Urteils für die Praxis der Pflegeberufe, an denen auch im Kreis ein großer Mangel herrscht, ein.

Nachrichten: Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Grundsatzurteil zur Ausbildung in der Altenpflege im Wesentlichen die Praxis in NRW bestätigt. Sind Sie erleichtert?

Bogert: Wir hatten schon Befürchtungen, dass das Urteil anders ausfällt. Weil die Verfassungsrichter sich mit ihrem Urteil ungewöhnlich lange Zeit gelassen hatten. Die Bewertung als Heilberuf war die Voraussetzung dafür, dass das Bundesverfassungsgericht die Gesetzgebungszuständigkeit des Bundes bejahte. Was Bayern ja bezweifelte und dadurch die Neuordnung der Altenpflegeausbildung bundesweit blockiert hatte. Ja, wir sind erleichtert.

Nachrichten: Was hat Sie belastet?

Bogert: Durch das Urteil wird der Ausbildungsberuf Altenpfleger/Altenpflegerin endgültig als Heilberuf im Sinne des Grundgesetzes eingestuft. Damit ist klar, dass die Ausbildung im Regelfall bundesweit drei Jahre dauert.

Nachrichten: Wie sah das Berufsbild des Altenpflegers vor dem Urteil aus?

Bogert: Es gab in der Bundesrepublik 17 verschiedene Ausbildungsgänge in 16 Bundesländern zum Altenpfleger. Das führte natürlich zu einer ganzen Menge auch unterschiedlicher Qualifikationen beim Pflegepersonal. Unsere Ausbildung in NRW war schon immer klasse, die anderen Bundesländer werden sich jetzt daran orientieren.

Nachrichten: Wird durch das Urteil auch der Pflegenotstand behoben?

Bogert: Behoben auf keinen Fall. Dazu fehlen bundesweit einfach viel zu viele Kräfte im Pflegedienst, die Situation kann man fast schon dramatisch nennen. Aber das Gesetz ist ein zentraler Baustein zur Verbesserung der Situation bei den Pflegefachkräften.

Nachrichten: Das müssen Sie näher erläutern.

Bogert: Weil die Attraktivität der Ausbildung zum Altenpfleger beziehungsweise zur Altenpflegerin dadurch gestärkt und seine gesellschaftliche Anerkennung gehoben wird. Das Urteil wird eine Aufwertung des Berufsstandes nach sich ziehen.

Nachrichten: Der Beruf des Altenpflegers stand immer im Schatten des Krankenpflegers.

Bogert: Richtig. Früher hieß es immer: "Wer den Krankenpfleger nicht schafft, wird eben Altenpfleger". Dabei war bei uns in NRW schon lange verankert, dass die Altenpfleger in ihrer Ausbildung 2250 Theoriestunden absolvieren müssen, die Krankenpfleger nur 1800. Jetzt ist der NRW-Standart verbindlicher Standart für die Bundesrepublik.

Nachrichten: Wäre es nicht sinnvoll, beide Ausbildungsberuf zusammen zu legen?

Bogert: Ich bin sicher, dass das kommen wird: Eine gemeinsame Grundausbildung, die sich dann im Laufe der Ausbildung verzweigt.