Wassenberg: Auflösung der Klöster veränderte die Region

Wassenberg : Auflösung der Klöster veränderte die Region

Der 14. Juli 1789 ist als Beginn der französischen Revolution mit dem „Sturm auf die Bastille” in die Geschichte eingegangen.

Die Auswirkungen veränderten die Welt bis in unsere Tage. Am 13. Februar 1790 wurden in Frankreich alle Orden und Kongregationen aufgehoben, die Kirche am 12. Juli 1790 durch die „Constitution civile de chergé” in den Staat eingegliedert. Sie wurde „säkularisiert”, das heißt „verweltlicht”.

Mit dem Sieg und Einmarsch der Franzosen im Oktoer 1794 wurde auch unsere Heimat „französisch”. Der Frieden von Luneville im Jahre 1801 verlegte die französische Ostgrenze an den Rhein.

Unsere Heimat wurde französisches Staatsgebiet bis 1815. In den Sommermonaten Juni bis August 2002 und 2003 jährten sich zum 200. Mal Ereignisse, die mit der Auflösung und Enteignung der Klöster und Stifte durch napoleonisches Dekret vom 6. Juni 1802 im Departement Roermond auch in unserer Heimat ihren schlimmen Gang nahmen.

Im Jahre 1803 wurden auch Klöster und Abteien in anderen, rechtsrheinischen Diözesen enteignet. Sie mussten als Staatsdomänen als Entschädigung für links-rheinische Verluste herhalten.

Die Vortragsreihe „Geschichte vor Ort” des Heimatvereins Wassenberg mit Generalapotheker a.D. Hanns Heidemanns griff die wichtigen Ereignisse, bezogen vor allem auf unser Heimatgebiet, in einem Vortragsabend auf Burg Wassenberg auf.

Die kenntnisreiche Zusammenfassung fand ihren Höhepunkt in den unmittelbaren Auswirkungen innerhalb des heutigen Kreises Heinsberg. Voraufgegangen war das Verbot der Aufnahme von Novizen in den Klöstern. Prozessionen und Wallfahrten wurden verboten. Viele kirchliche Einrichtungen wurden geschlossen. Es sollen mehr als 350 gewesen sein.

Die „treuhänderische Verwaltung” durch den Staat schon im Jahre 1796 war der Vorbote aller Schrecknisse, die noch folgen sollten.

Die Schließung des seit 1118 bestehenden St. Georgs-Stiftes Wassenberg als geistiger Mittelpunkt des von der Burg Wassenberg aus verwalteten „Amtes Wassenberg” war auch eine wirtschaftliche Katastrophe.

Die Georgs-Propsteikirche entging als gleichzeitige Pfarrkirche dem Abbruch, von dem sämtliche Klosterkirchen betroffen waren. Die Stiftsgebäude wurden verkauft oder vermietet. Die Stiftsschule wurde aufgelöst.

Die Kanoniker - häufig zugleich Pfarrer in den umliegenden Kirchengemeinden - gehörten dem Stift nicht mehr an.

Abtei in Dalheim besonders betroffen

Die große Zisterzienserinnen-Abtei Dalheim - 1196 in Ophoven gegründet und schon einige Jahrzehnte später in das waldreiche Gebiet um Dalheim verlegt - traf es besonders hart.

Das Steinmaterial der Klosterkirche diente später dem Bau der Pfarrkirche in Arsbeck. Die vielfach adligen Nonnen wurden vertrieben. Die letzte Äbtissin - Maria Anna von Oeyen - kam bei ihrer Schwester in Wassenberg unter.

Die „Dalheimer Mühle”, jahrzehntelang ein beliebter Ausflugsort, blieb die letzte sichtbare Erinnerung an die einstmals stolze Abtei. Wertvolle Einrichtungsgegenstände waren schon vorher verschenkt oder verkauft worden.

Einige davon sind heute noch zu besichtigen, wie die kostbare Renaissance-Holztäfelung im „Ahnenzimmer” der Burg Wassenberg. Ein kostbares Kruzifix gelangte nach Roermond.

Eine Partikel des Kreuzes Christi kam nach Orsbeck mit Pfarrer Kanehe, einem gelehrten Kanoniker des St. Georgs-Stiftes Wassenberg, der damit die bis heute aufrechterhaltene Verehrung des Kreuzes und die Wallfahrt nach Orsbeck begründete.

Das Schicksal des Wassenberger Kapuziner-Klosters ist ein besonders trauriges Kapitel. Es lag in der Graf-Gerhard-straße neben der heutigen Kreissparkasse.

Zum Teil ist es noch heute erhalten. Die Kapuziner-Kirche wurde abgebrochen. Ihr Schnitzaltar ist noch in der Millener Pfarrkirche erhalten. Auch die frühere Abtei Millen, Klöster in Heinsberg und bei Erkelenz (Haus Hohenbusch) wurden vom Klostersturm betroffen.

Die in Wassenberg sehr beliebten Kapuziner sind bis heute unvergessen geblieben. An ihr Wirken erinnerte bis nach dem Ersten Weltkrieg die „Pape-Kirmes” in der „Brühl”. Mit der „Kapuzinerklause” zum „Kapuzinermarkt” hält die St. Georgius-Bruderschaft das Andenken aufrecht.

Auch das „Kapuziner-Gäßchen” am heute noch erhaltenen Refektorium des Klosters neben der Kreissparkasse ist ständige Erinnerung an ein wichtiges Stück Ordensgeschichte. Der verstorbene Wassenberger Franziskaner-Pater Friedbert Marx stammt aus dem seinen Eltern gehörigen, ehemaligen Kapuzinerkloster.

Direkt neben dem Refektorium geboren ist auch die Autorin dieser Zeilen. Dort wohnten in der Zeit der Wohnungsnot in den 20er Jahren ihre jung vermählten Eltern.

Franziskanerinnen vertrieben

Bestürzend geblieben bis in unsere Tage ist auch das Schicksal des Myhler Franziskanerinnen-Klosters. 1390 als „Wytkens Haus” in der Wassenberger Kirchstraße - direkt neben dem Stift - gegründet, kam es bereits 1475 nach Myhl.

Viele Flurnamen erinnern noch an die fleißigen Nonnen. Mit ihrer ehrwürdigen Mutter Joanna Vahsen wurden sie vertrieben. Der gesamte Grundbesitz wurde scheibchenweise verkauft.

Ein Konkordat Napoleons mit Papst Pius VII. am 15. Juli 1801 hatte die neuen Grenzen „abgesteckt” zwischen Staat und Kirche.

Ihre Auswirkungen waren schmerzlich. Sie wiesen, wie die französische Revolution, in eine „neue Zeit” auf den Trümmern jahrhundertealten Kultur- und Glaubensgutes.