Erkelenz: Aufgepickt: Geheime Wahl mit offenen Karten

Erkelenz : Aufgepickt: Geheime Wahl mit offenen Karten

Nicht immer nicken die Kommunalpolitiker das ab, was ihnen die Verwaltung präsentiert.

So geschah es bei der Wahl eines neuen Schiedsmanns für den Bereich der Erkelenzer Innenstadt, nachdem der bisherige Amtsinhaber Wilhelm Peerlings und sein Stellvertreter Hermann Scholle sich nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung stellten.

Fünf Kandidaten waren bereit, das Amt zu übernehmen, die Verwaltung schlug aus diesem Kreis einen Polizeibeamten vor. Der Hauptausschuss sollte diesen Vorschlag, wie in der Vergangenheit üblich, abnicken.

Aber das passte Heinz Küppers (CDU) nicht. Er hegte zwar keine Zweifel an der Qualität der Verwaltungsempfehlung, aber er favorisierte einen anderen Kandidaten, einen Kaufmann, der ebenfalls die Voraussetzung für das Amt erfülle. Auch der Grünen Beate Schirrmeister-Heinen gefiel der Vorschlag aus dem Hause Mathissen nicht. Der Schiedsmann könne auch einmal eine Frau sein, meinte sie mit Hinweis auf die weibliche Kandidatin. Mithin standen gleich drei Vorschläge zur Wahl.

Bürgermeister Erwin Mathissen wies darauf hin, dass zum ersten Mal seit 1972 eine Schiedsmannwahl geheim stattfinde. Doch er bekam noch die Kurve, bevor er dazu kam, sich darüber zu mokieren. Es habe auch noch nie so viele Kandidaten gegeben wie in diesem Jahr.

In geheimer Abstimmung entschied sich die Ausschussmehrheit für Frank Brandes als neuen Schiedsmann. Diese Entscheidung wird die Verwaltung als neuen Vorschlag im Stadtrat vorstellen, um dort abgenickt werden. Oder sollte es dort auch wieder zu einer Kampfabstimmung kommen?

Dem Kommentar eines Sitzungsbesuchers ist nichts hinzuzufügen: Bei eigenen Angelegenheiten personeller Art ziehen sich Rat und Verwaltung gerne ins stille Kämmerlein der nicht öffentlichen Sitzung zurück. Bei der Besetzung eines Ehrenamtes lassen sie es zu, dass Kandidaten namentlich genannt und in der Öffentlichkeit fast schon der Lächerlichkeit preisgegeben.

Und dabei verstecken sich die Politiker bei ihrer Stimmabgabe auch noch hinter einer Wahlurne. Dem Ehrenamt und der Schiedsmannwürde ist dieses Procedere nicht angemessen.