Wassenberg: Auf dem Frowein-Gelände wird gebaut

Wassenberg : Auf dem Frowein-Gelände wird gebaut

Der einst weltbekannte Name „Frowein” war auch in Wassenberg mehr als 70 Jahre lang ein Begriff der Webtechnik und damit verbunden für viele Arbeitsplätze ganzer Familienstämme.

Die Abrissbagger reißen seit Mitte voriger Woche sämtliche seit den frühen 90er Jahren still liegenden Produktionsräume einschließlich des eigenen Kraftwerkes ab.

Hierzu gehört auch das erst Ende der 80er Jahre zum 225-jährigen Firmenbestehen des Wuppertaler Unternehmens komplett neu errichtete Verwaltungsgebäude mit seinem schönen Fassadenteil.

Mehrere Versuche, die nach Verlagerung der Produktionsmaschinen nach Portugal frei gewordenen Produktionshallen anderweitig zu nutzen, schlugen fehl.

Hierzu gehörte zeitweise auch der Bau einer „Therme” mit Hotelbauten, was sich als völlig illusorisch erwies. Das Werk Wassenberg der Textilgruppe Frowein wurde ein Opfer der schon Anfang der 60er Jahre einsetzenden Textilkrise.

Übrig geblieben ist letzten Endes nur die Umwandlung einer stetig sich verdichtenden Industriebrache in ein Wohnungsbaugebiet, zu dem der gestern rechtsgültig gewordene Bebauungsplan auch die rechtlichen Grundlagen geschaffen hat.

Es entstehen nun in Fortsetzung des früheren Kontra-Supermarktes 40 Wohneinheiten in Einzel- und Doppelwohnhäusern bei je rund 700 m2 Fläche.

Mit bebaut wird der so genannte Wendehammer im rückwärtigen Teil des Großkomplexes und auch ein Streifen aus dem „Judenbruch-Wald”. Hier sollen vier „Villengrundstücke” entstehen laut Darstellung der Immobilienfirma Türk aus Heinsberg als Vorhabenträger.

Die Planung liegt in den Händen des Wassenberger Architekten Wilfried Viethen, der bereits die Bebauung des Kontra/Lensing-Geländes zwischen Erkelenzer Straße und Alter Bahn leitete.

Bei der Vorstellung des Vorhabens erläuterte vor allen Bürgermeister Manfred Erdweg den dornenvollen Weg der ergebnislos gebliebenen Bemühungen um eine Weiterverwertung - wenn auch nur teilweise - als Industrie- oder Gewerbegebiet.

Der von der Firma Frowein beauftragte Consulting-Vertreter Beumers bekräftigte diese Bemühungen - besonders während der letzten beiden Jahre. Direktor Lothar Salentyn von der Kreissparkasse Heinsberg unterstrich ebenfalls diese Bemühungen, die am Ende zu dem jetzigen Vorhaben führten.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachteten Wassenberger Vertreter die Situation, die umso schwerer wiege, als lange Anfahrtswege hier wohnender Bürger zu auswärtigen Arbeitsplätzen in Kauf genommen werden müssten.

Michael Türk wies darauf hin, dass die Ausfüllung solcher Industrielücken in guter baulicher Auflockerung und schöner waldnaher Lage jedoch auch ihre Vorzüge habe gegenüber der Ausweisung großer neuer Wohngebiete im bisher freien Land- und Auenbereich. Die bisherigen Verkaufsverhandlungen verliefen sehr zügig. Das Angebot aus Eigenbesitz sei ein nicht zu überbietender Vorteil neben der hohen Wohnqualität.

Es wird damit gerechnet, dass Abbruch und Einleitung der Bebauung schon im August sichtbare Veränderungen in diesem Oberstadtbereich zeigen. Ein besonderes Dankeswort galt Bürgermeister Erdweg, der sich intensiv bemüht habe, das Problem „Frowein-Fabrik” einer guten Lösung zuzuführen.