Kreis Heinsberg: Auch die Kinder von Süchtigen brauchen Hilfe

Kreis Heinsberg : Auch die Kinder von Süchtigen brauchen Hilfe

Kinder von Suchtkranken und ihre Probleme standen im Mittelpunkt des zweiten Hückelhovener Suchtforums im Evangelischen Gemeindezentrum an der Haagstraße. Das Thema lautete: „Kinder aus suchtbelasteten Familien wahrnehmen”.

Das Suchtforum war im vergangenen Jahr anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Hückelhovener Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen ins Leben gerufen. Die Beratungsstelle steht unter der Trägerschaft des Caritasverbandes und des Diakonischen Werkes.

Neben zwei praxisbezogenen Fachvorträgen stand auch eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Norbert Bläsing auf dem Programm. Die Betreuung der Kinder aus so genannten suchtbelasteten Lebensgemeinschaften sei ein vorrangiges Ziel neben der Hilfe beim Süchtigen, wurde betont. Auf dem Podium nahm neben der Leiterin der Hückelhovener Beratungsstelle, Marlies Trapp, auch Ralf Schwarzenberg, Leiter des Hückelhovener Jugendamtes, Platz.

Trapp betonte, dass viele der ratsuchenden Süchtigen und Suchtgefährdeten von ihren alkohol- oder drogenabhängigen Eltern berichten würden. Dies unterstreiche die Bedeutung einer frühzeitigen Einmischung seitens der Beratungsstellen.

Die aus Euskirchen stammende Diplom-Pädagogin Dorothee Koch sowie der Koblenzer Psychologe Dr. Martin Zobel komplettierten die kompetente Runde auf der Bühne im evangelischen Gemeindezentrum. Zuvor hatten beide in Fachvorträgen über ihre Arbeit mit den Kindern Suchtkranker und den besonderen Schwierigkeiten dabei berichtet.

So leitet Dorothee Koch in Euskirchen die „Regenbogengruppe”, in der Kinder aus suchtbelasteten Lebensgemeinschaften betreut werden. Sie betonte die Bedeutung von Netzwerkarbeit zwischen den zuständigen Institutionen und Beratungsstellen, wie sie im Kreis Euskirchen praktiziert werde. Für das kommende Jahr plane man die Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte in dieses Netzwerk.

Ihr Kollege Martin Zobel ist Lehrbeauftragter der Katholischen Fachhochschule Köln und unterhält in Koblenz eine psychologische Praxis. Er berichtete von den Gefahren, denen ein Kind durch den Umgang mit suchtkranken Bezugspersonen ausgesetzt sei.

Ralf Schwarzenberg hob hervor, dass das Jugendamt erst auf einen möglichen Missstand aufmerksam werde, wenn das Kind mit drei Jahren „öffentlich” werde. Im Kindergarten würden oft erstmals Probleme festgestellt. Reagieren könne man aber nur, wenn das Wohl des Kindes gefährdet sei. In den Beratungsstellen sei eine Hilfe auch erst möglich, wenn die Eltern eingewilligt hätten. Diese hätten jedoch häufig Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen würden. So sei die Arbeit bis zur Einwilligung der Eltern ein sensibler Prozess, denn „das Thema ist immer noch ein Tabu”.

Die Kinder, so wussten die Fachleute zu berichten, hätten weniger Berührungsängste. „Sie sind froh, wenn sie mit Gleichaltrigen, die ähnliches erlebt haben, reden können”, betonte Koch.

Natürlich hängt das Thema auch mit der Finanzierung zusammen. In der Praxis - so war zu erfahren - fehlen schon jetzt den Mitarbeitern der Beratungsstellen die Mittel, um der notwendigen Arbeit nachkommen zu können. Die Beantragung einer Kostenübernahme hänge jedoch mit der Preisgabe der persönlichen Daten der Betroffenen zusammen. Davor schreckten diese jedoch zurück. Da setzte Schwarzenberg jedoch eine eindeutige Grenze. „Wenn das Wohl des Kindes massiv gefährdet ist, gilt der Datenschutz nicht”, betonte er. „Dann muss eingegriffen werden.”











Informationen

Die Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen ist in Hückelhoven an der Parkhofstraße 93a zu finden.

Sie ist zu erreichen unter 02433/86238, Fax 84189, Mail: drogenberatung@caritas-heinsberg.de.