Heinsberg-Oberbruch: Arbeitslose, für Spender oft unattraktiv

Heinsberg-Oberbruch : Arbeitslose, für Spender oft unattraktiv

Im Rahmen seiner Visitation in der Gemeinschaft der Gemeinden (GDG) Heinsberg-Oberbruch hat Bischof Heinrich Mussinghoff am Donnerstag an alle Christen appelliert, sich an der diesjährigen Solidaritätskollekte für Arbeitslose zu beteiligen. Sie wird am ersten Maiwochenende, 5. und 6. Mai, in den katholischen Kirchen des Bistums Aachen durchgeführt.

Nach einer Schulmesse für die Don-Bosco-Schule und einem Mitarbeitergespräch traf der Bischof im Arbeitslosenzentrum des Oberbrucher Hilfsvereins Amos am Donnerstagvormittag zunächst noch kurz eine Gruppe von etwa 50 Kindern der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Er betete mit ihnen und segnete sie. Pastoralreferent Johannes Eschweiler, zugleich Vorsitzender des Vereins, stellte dem Bischof dann den Verein vor, mit dem Arbeitslosenzentrum und seinen vielfältigen Angeboten, mit den beiden Amos-Shops in Oberbruch und Hilfarth sowie der Lebensmitteltafel, die mittlerweile dreimal pro Woche von bis zu 70 Menschen besucht wird. Als Projekt gegen Armut und Arbeitslosigkeit verfolge Amos einen „ganzheitlichen Ansatz, diesen Menschen ihre Menschwürde ein Stück weit wieder zurückzugeben”, sagte Eschweiler.

Detaillierte Einblicke

„Mir Ihrer Arbeit geben Sie ein gelebtes Zeugnis der Nächstenliebe”, erklärte Mussinghoff gleich zu Beginn seiner Rede. „Auch wenn sich die Rahmenbedingungen für die Arbeit mit arbeitslosen Menschen verschlechtert haben, bitte ich Sie, Ihr Engagement fortzusetzen. Ihre Arbeit ist ein wichtiger kirchlicher Beitrag für mehr soziale Gerechtigkeit.” Detailliert ging er auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen und die damit verbundenen Probleme ein, vor allem mit Blick auf langzeitarbeitslose Menschen und für arbeitslose Jugendliche.

Das Bistum stelle auch weiterhin jährlich Kirchensteuermittel in Höhe von 810.000 Euro für die Arbeitslosenarbeit zur Verfügung, führte Mussinghoff weiter aus. Der Diözesan-Kirchensteuerrat habe in seiner letzten Sitzung zudem beschlossen, für die Arbeitslosenarbeit eine einmalige Summe von 500.000 Euro zu zahlen, damit den Trägern, die sich derzeit neu aufstellen müssen, der Übergang zu neuen Aktivitäten für arbeitslose Menschen gelinge. Details zur Vergabe dieser Mittel würden noch erarbeitet. „2012 werden bistumsweit wieder rund 50 unterschiedliche Maßnahmen für arbeitslose Menschen vom Bistum finanziell unterstützt, deren besondere Aufgabe in der Beratung, Bildung, Begegnung und Selbsthilfe für die Betroffenen liegt.”

Neben Bistumsmitteln und Spendenaktionen sei die jährlich stattfindende Solidaritätskollekte „ein wichtiges solidarisches Zeichen von Christinnen und Christen mit arbeitslosen Menschen.” Das Ergebnis der Solidaritätskollekte 2011 belief sich rund 55 000 Euro. Die großzügige Bereitschaft der Gemeinden zur Spende zeige, dass die Solidarität weiterhin ungebrochen sei.

Amos sei ein Beispiel sozialen diakonischen Engagements einer Gemeinde, „ein Leuchtturm in unserer Region”, befand Regionaldekan Gottfried Maria Graaff, der den Besuch des Bischofs bei Amos ebenso begleitete wie die Vertreter weiterer Arbeitslosenprojekte in der Region.

Situation nach der Schließung

Gottfried Küppers, Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes, schilderte dem Bischof die aktuelle Situation nach der Schließung des Bildungszentrums. „Wir müssen hier unsere Stimme als Kirche erheben und Alternativen bieten”, sagte er. Zudem wies er darauf hin, dass Arbeitslose anders als Kinder oder behinderte Menschen für Spendenwillige eher unattraktiv seien. „Wir müssen dafür werben, dass auch diese Menschen Geld brauchen.”

Dem Verständnis des Pastorals folgend müsse man diese Menschen immer wieder in die Mitte zurück einladen, forderte Alfons Bäumer, Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Er stellte dem Bischof die Beratungsstellen der KAB für erwerbslose Menschen in Erkelenz und Geilenkirchen vor. „Ich stelle fest: Das katholische Lager in der Region funktioniert gut”, resümierte Eschweiler, bevor er den Bischof und seine Begleiter zu einem kurzen Spaziergang und zum Besuch des nahe gelegenen Oberbrucher Amos-Shops einlud.

Visitation in der GDG Heinsberg-Oberbruch

Am Dienstag dieser Woche hat Bischof Heinrich Mussinghoff seine Visitation in der GdG Heinsberg-Oberbruch begonnen, zu der die Pfarreien St. Aloysius Oberbruch, St. Andreas Eschweiler, St. Josef Horst, St. Lambertus Dremmen, St. Lambertus Randerath, St. Mariä Himmelfahrt Uetterath und St. Maria Rosenkranz Porselen gehören.

Zum Programm gehören Gespräche mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie mit Vertretern aus Politik und Verbänden. Während der Gottesdienste wird er Jugendlichen auch das Sakrament der Firmung spenden.

Neben dem Treffen bei Amos sind bis zum Ende der Visitation am 6. Mai weitere Besuche in Jugendeinrichtungen sowie bei der Firma Elteba geplant.