Würselen: Aquana: Der schlafende Riese soll geweckt werden

Würselen : Aquana: Der schlafende Riese soll geweckt werden

„Das Aquana ist ein schlafender Riese“: So lautet das optimistische Credo, das Claus Nürnberg jetzt ausgegeben hat, Partner der Aachener Eisele & Degen Consulting GmbH und seit rund zwei Monaten Interimsgeschäftsführer des Bades am Willy-Brandt-Ring.

Das hochdefizitäre Unternehmen berge ein „Riesenpotenzial“ in Sachen Dienstleistungen, und es gebe „viele Möglichkeiten“ zur Optimierung, legte er dem Stadtrat am Donnerstagabend dar. Letztlich geht es darum: wieder mehr Menschen ins Aquana zu locken. Denn die hohen Energiekosten fallen nun mal an, egal, ob sich nur ein Gast im Wasser tummelt oder eben 1000. Indes: „Alle kritischen Meldungen führen zur Verunsicherung“, habe er, so Nürnberg, von Badegästen gehört, die sich nach Zeitungsberichten gar gefragt hätten, „ob sie denn noch eine Zehnerkarte kaufen könnten“, ob das Aquana überhaupt noch so lange existiere? „Jede positive Stimme hilft an dieser Stelle“, teilte er den Medien einen stattlichen Part an Mitverantwortung zu.

Und schlug damit in die gleiche Kerbe wie Bürgermeister Arno Nelles, der im Vorfeld in durchaus emotionalem Vortrag die mediale Diskussion ums Aquana „in Relation zur Realität“ setzen wollte. Wobei ihm Presseberichterstattung aber auch wieder zupass kam: nämlich ein interkommunaler Vergleich unserer Zeitung über die Defizite der Schwimmbäder im Verbreitungsgebiet. Und siehe da: Würselen schneidet gar nicht so schlecht ab. Sogar den geringsten Pro-Kopf-Zuschuss in der Region, was Schwimmeinrichtungen angeht, hat Nelles ausgemacht. Indes, so Nelles’ steile These: In keiner anderen Stadt habe er eine so negative Diskussion beobachtet. Die wieder aufgekeimt sei, „als der damals verantwortliche Bürgermeister für das Amt des Bundeskanzlers kandidiert hat“. Als „größten Fehler meines politischen Lebens“ hatte Kandidat Martin Schulz die vor über 20 Jahren getroffene Entscheidung fürs Aquana in seiner Biografie beurteilt. Ein Bekenntnis, das überregionale Medien in Vielzahl an den Willy-Brandt-Ring lockte, die schließlich unter anderem genüsslich übers „Millionengrab“ berichteten, das Schulz der Kleinstadt hinterlassen habe (Focus). „Wir brauchen Besucher, die den Namen Würselen positiv belegen“, möchte Nelles gegen dieses neue Negativ-Image ankämpfen. Auch der rund 60 Arbeitsplätze wegen.

Womit er auf politischen Konsens stößt. Karl-Jürgen Schmitz (CDU/„Wir waren damals gegen das Aquana, aus guten Gründen“) unterstreicht, dass eine Schließung gar nicht zur Debatte steht und man auch weiter aktiv an der Verbesserung des Bades arbeiten wolle. Unter anderem, als weichem Standortfaktor, um eine Stätte fürs Schulschwimmen zu erhalten und im Sinne der hohen Zahl an Arbeitsplätzen.

Hans Carduck (FDP/„Das Monetäre ist zwar wichtig, aber nicht alles“) konstatiert, dass man nicht umhinkomme, in das in die Jahre gekommene Aquana zu investieren — und das Vertrauen wieder herzustellen. Theo Scherberich (UWG/„Wir waren Kritiker des Aquana, das war in den Anfangsjahren sicher mehr als berechtigt“) erinnert an den Verlust des einstigen Freibads am Wisselsbach und an 20 Jahre Auf und Ab des Aquana, sieht sich überzeugt von den Aussagen Nürnbergs („der richtige Mann an der richtigen Stelle“) und will in Jahresfrist „klare Zahlen“ geliefert bekommen, um Status quo mit der angekündigten Entwicklung abgleichen zu können. Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) appelliert, endlich einen Strich unter die Trauer ums Wisselsbacher Bad zu machen, das viele ja schon gar nicht mehr aus eigener Anschauung kennen: Der Rat müsse mit vollem Herzen den Grundsatzbeschluss für Schul- und Vereinssport bestätigen, habe aber auch eine Pflicht gegenüber den Bürgern, so kostengünstig wie möglich zu agieren. Bernd Parschmann (Grüne) verweist auf den „schlafenden Riesen“, der die Hoffnung nun sehr hoch schraube.