Kreis Düren: Angeklagter fehlt: Richterin erhält keine Hilfe der Polizei

Kreis Düren : Angeklagter fehlt: Richterin erhält keine Hilfe der Polizei

Dass Praxisnähe nicht zwangsläufig zum Erfolg führen muss, wurde am Dienstag beim Amtsgericht Düren deutlich. In einem Strafverfahren vor dem Schöffengericht waren zwei Männer angeklagt, deren Verteidiger bereits im großen Sitzungssaal warteten. Einer der beiden Angeklagten, der zurzeit in Haft sitzt, war mit der berühmten „Grünen Minna“ gebracht worden. Der Mitangeklagte fehlte allerdings.

Inzwischen warteten auch die Vorsitzende Richterin, ihre beiden Laienrichter, also die Schöffen, außerdem die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, ein Zeuge sowie zwei Prozessbeobachter. Von dem zweiten Angeklagten fehlte jede Spur.

Um den Prozesstermin zu retten, rief die Vorsitzende Richterin Verena Neft kurzerhand bei der Polizeiwache in Jülich an. Sie bat gewissermaßen um Amtshilfe, denn nach ihrer Vorstellung hätten ein oder zwei Beamte den Angeklagten an seinem Wohnsitz in Niederzier abholen und zum Gericht nach Düren bringen können. Doch weit gefehlt.

Das Gespräch mit den Beamten war nicht von Erfolg gekrönt, weil diese laut Aussage der Richterin auf ein formales Verfahren Wert legten. Das Angebot der Richterin, ihr Anliegen schriftlich per Fax zu formulieren, reichte scheinbar nicht aus. Im Gericht herrschte Erstaunen bei allen Beteiligten und auch so etwas wie Unverständnis.

Die Richterin wollte sich auf Nachfrage nicht weiter äußern. Eine Sprecherin der Kreispolizeibehörde erklärte, da in solchen Fällen häufig Zwangsmaßnahmen zu ergreifen seien, um den Angeklagten ins Gericht zu bringen, sei ein richterlicher Vorführbefehl notwendig.

Ein neuer Termin wird übrigens „von Amts wegen“ festgesetzt - vermutlich wird dies allerdings erst in der zweiten Jahreshälfte der Fall sein. Dann finden hoffentlich alle Beteiligten den Weg ins Gericht...

(hp/tp)