Braunsrath: Andrea Hörkens erweist sich als Glücksgriff

Braunsrath : Andrea Hörkens erweist sich als Glücksgriff

Der Liebling des Monschauer Festspielpublikums war der gefeierte Stargast beim Jahreskonzert des MGV Cäcilia Braunsrath.

Die Mönchengladbacherin Andrea Hörkens verfügt über so ziemlich alle Vorzüge, um ein Publikum hell zu begeistern. Sie sieht gut aus, singt gut und ist auch noch eine charmante Moderatorin, obwohl Letzteres hier nicht gefragt war.

Sie führte die rund 400 Zuhörer von nah und fern mit großer Einsatzfreude durch Lied, Oper und Operette, so wie es die Besucher vom Veranstalter erwarteten. Dabei wies sie eine erstaunliche Repertoirevielfalt auf.

Schubert stand auf ihrem Programm wie der kaum zu hörende Hindemith-Schüler Harald Genzmer, und dann Epigonen des Musiktheaters, die sie wie im Falle Rossini mit erstaunlich perfekter Beherrschung präsentierte.

Die Kavantine der Rosina aus dem Barbier von Sevilla war nicht nur eine persönliche Bestleistung. Zu Gute kamen ihrem Sopran unter anderem eine ungewöhnlich jugendliche Strahlkraft, Fülle in der Unter- und Mittellage, eine von der Presse gefeierte Anmut und ein verführerisches Vibrato. Mit zehn Auftritten plus Zugaben war sie im Programm überreich vertreten, ergänzte und führte es fort wie im Falle Genzmer und hatte auch keine Berührungsängste mit Laiensängern.

Besonders groß kam dabei der überaus bewährte Arnold Schmitz heraus und wurde kaum weniger gefeiert. Im Zigeunerbaron mutierte der Bassbariton zum perfekten Buffo und assoziierte den Vergleich mit dem unvergesslichen Benno Kusche. „Das Schreiben und das Lesen” ist wie geschaffen für ein von der Schweinezucht mitgeprägtes hiesiges Landleben.

Arnold Schmitz traf damit den Nagel auf den Kopf. Auch beim Duett mit der Sopranistin zeigte er weder Scheu noch Schwäche. Andrea Hörkens hatte sogar die Qual der Wahl zwischen diesem Bassbariton und dem tenoralen Strahlemann Mathias Schiffelers, der wie Schmitz auch mit Solosängern reussierte. So war der 50-köpfige, tüchtige Chor ebenso um seine stets bereitwilligen eigenen Solisten zu beneiden.

Weiterhin wurde Paul Huijts zu Recht wie ein Star gefeiert. Der Heerlener Pianist am Flügel einer Edelmarke hatte sich wieder mit erstklassigen Leistungen präsentiert. Er geleitete sowohl den Chor als auch die Solisten souverän durch die ganze Breite und Fülle des Programms, griff beherzt in die Tasten, ließ sie perlen oder schlug sie äußerst behutsam an, wie es seine Aufgabe jeweils erforderte.

Der Chor wäre ohne diesen unverzichtbaren Wegbegleiter und seinen hoch geschätzten Dirigenten Pierre Gerits nicht das, was er heute darstellt und was ihn weit über das Musikdorf Braunsrath hinaus als eine Vorzeigeformation etikettiert.

Das mit zwei stehend und stürmisch geforderten Zugaben abgeschlossene, zweieinhalbstündige Konzert wies zwei ganz unterschiedliche Teile auf. Im ersten dominierte nicht nur der erwähnte Harald Genzmer, sondern auch der Japaner Kan Ishii, der mit seinem Gesang eines welken Baumes und der Sonne die ganze Düsternis eines (atomaren) Vernichtungskrieges bedrückend schilderte - von den Braunsrathern ausgewählt, als von einem Irakkrieg noch keine Rede war.

Im zweiten Teil wendete sich das Blatt total. Das Programm sorgte ausnahmslos gesanglich für Frohsinn und Heiterkeit und hatte dabei auch den letzten Besucher auf seiner Seite.