Kreis Heinsberg: An erster Stelle steht das Wohlbefinden

Kreis Heinsberg : An erster Stelle steht das Wohlbefinden

Bei einem Besuch der Prospex gGmbH im Industriepark Heinsberg-Oberbruch informierten sich Mitglieder der Grünen im Kreistag und des Landschaftsverbandes Rheinland über Chancen und Möglichkeiten psychisch behinderter Menschen im Kreis Heinsberg.

Dass die Werkstatt 1995 aus der Lebenshilfewerkstatt heraus entstanden sei, weil es ein separates Angebot für Menschen mit psychischer Behinderung geben müsse, erläuterte Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe, zum Einstieg. Heute ist Prospex ein Gemeinschaftsbetrieb der Gangelter Einrichtungen und der Lebenshilfe Heinsberg.

Der Bedarf sei seinerzeit völlig unterschätzt worden. Anfangs waren es 30 Menschen, die die Werkstatt besuchten, derzeit sind es 170 - Tendenz weiter steigend. Der Geschäftsführer der Werkstatt, Rochus Wellenbrock, gab den Grünen einen Überblick über die zehn verschiedenen Arbeitsbereiche - angefangen bei Kunststoff- und Metallverarbeitung bis hin zu Werbung und Mikroverfilmung.

Auch Privatmenschen können Angebote wie die Schuhmacherei oder die Landschaftspflege in Anspruch nehmen. Prospex ist aber auch in der Lage, große Aufträge zu übernehmen. Dank des großzügigen Raumangebots im Industriepark kann „auf Lager” produziert werden, so dass mögliche Verzögerung durch die speziellen Probleme der Beschäftigten aufgefangen werden können.

Behutsam gehen die Bereichsleiter auf die Möglichkeiten der Beschäftigten ein. Besonders stolz präsentierte Wellenbrock den über 2000 Quadratmeter großen Bereich, in dem wöchentlich 200 geothermische Produkte gefertigt werden. „Die Werkstatt profitiert derzeit vom Boom der regenerativen Energien und ist damit mitten im Marktgeschehen.”

„An erster Stelle steht das Wohlbefinden jedes Einzelnen”, erklärte Wellenbrock. Daher ist die Einrichtung sehr flexibel. Nicht nur Diagnose und Training spielten eine Rolle bei der Aufnahme von Menschen, sondern vor allem auch die eigenen Bedürfnisse und Entscheidungen der Betroffenen.

Dies gelte ebenso für den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt, der für einige Prospex-Mitarbeiter durchaus möglich wäre und für den es auch öffentliche Förderung gibt. „Dennoch steht hier kein Betrieb Schlange, um jemanden aus der Werkstatt einzustellen,” berichtete Edgar Johnen.

Die Vorsitzende der grünen Kreistagsfraktion, Maria Meurer, will in Gesprächen mit der Arge die Themen Integration und Kombilohnmodelle aufgreifen und sagte Prospex Unterstützung zu. Allerdings war sie sich mit Corinna Beck und Martin Kresse, den grünen Vertretern aus der Landschaftsversammlung, einig, dass man geschützte Arbeitsbereiche in der Gesellschaft braucht.

Stellen für Menschen, die nicht von früh bis spät funktionieren und die nur einfache Tätigkeiten ausführen können, gebe es immer weniger. „Der Knackpunkt ist der erste Arbeitsmarkt mit seinen gestiegenen Anforderungen und dem immensen Druck, dem psychisch behinderte Menschen nicht standhalten können,” brachte es Edgar Johnen auf den Punkt.