Amtsschimmel total närrisch

Amtsschimmel total närrisch

Dass der Karneval eine sehr ernste Sache ist, weiß man spätestens seit dem Miterleben einer Sitzung. Ganz böse Zungen behaupten sogar, der organisierte Humor ließe sich meist und von Ausnahmen abgesehen nur ab einem gewissen Alkoholspiegel ertragen.

Aber und auf hochdeutsch: Jeder Jeck ist anders. Traurig ist und überhaupt nicht zum Lachen, wenn jedes Jahr bei den Karnevalszügen Unfälle passieren. Daraus hat nun der Gesetzgeber Konsequenzen gezogen und ein "Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen für den Einsatz bei Brauchtumsveranstaltungen" herausgegeben.

Die dort geforderten Voraussetzungen für die Teilnahme an einem Karnevalszug treiben den Verantwortlichen den Schweiß auf die Stirn und unter die Achselhöhlen, sind sie doch (die Voraussetzungen und nicht die Verantwortlichen) von dermaßen deutscher Gründlichkeit, dass sie wiederum zum Lachen Anlass geben und auf diese Weise einen bedeutenden Beitrag zur Fröhlichkeit leisten. Da geht es um Betriebserlaubnis, Bremsausrüstung, Achslasten und Gesamtgewichte, zulässige Höchstgeschwindigkeiten und Mindestalter für Fahrzeugführer (18), Zweileitungs-Druckluftbremsanlagen und Vorschriften über Stufen- und Leiteraufstiege.

Bei letzteren darf zum Beispiel der Abstand der untersten Sprosse vom Boden maximal 500 Millimeter betragen, und die Auftrittstiefe der Sprossen muss mindestens 20 Millimeter sein. Das "Von der Wiege bis zur Bahre - Formulare, Formulare" wird nun um einen weiteren Bereich erweitert und lässt hoffen, dass deren Hoheitsgebiet demnächst auf alle Sparten und Ausdrucksmöglichkeiten menschlichen Lebens ausgedehnt wird. Wieher! Wieher! (Das war der Amtsschimmel.)