Wassenberg: Altem Gemäuer und Gräben auf der Spur: Stadtführung in Wassenberg

Wassenberg : Altem Gemäuer und Gräben auf der Spur: Stadtführung in Wassenberg

Alles begann mit der Kopie eines Stadtplans von Wassenberg aus dem Jahr 1825. Die händigte Walter Bienen, Stadtführer und stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Wassenberg den Teilnehmern seiner besonderen Stadtwanderung aus.

Erstmalig stand das Thema „Stadtmauer und Wassergraben im Wandel der Zeit“ im Mittelpunkt der Stadtführung.

Start am Roßtor zur Stadtführung über Stadtmauer und Wassergraben mit Walter Bienen (r.) (ein Teil der Teilnehmer kam später hinzu).
Start am Roßtor zur Stadtführung über Stadtmauer und Wassergraben mit Walter Bienen (r.) (ein Teil der Teilnehmer kam später hinzu). Foto: Bindels

Bei bestem Wetter fanden sich rund ein Dutzend Interessierte am Startpunkt vor dem Roßtor ein. Das einzige erhaltene Stadttor, von einst drei Stadtzugängen, an dem Reste der ehemaligen Stadtmauer noch zu sehen sind, war ein geeigneter Treffpunkt für den Einstieg in das Thema. Beim ersten Blick auf die Kartenkopie wurde deutlich, wie die Stadtmauer verlief.

Vor dem Tor stehend nach links verlief entlang der Straße „An der Haag“ bis zur Roermonder Straße die Stadtmauer bis zum Birgeler Tor. Nach rechts blickend entlang des „Patersgraben“ zeigten die sichtbaren Reste der Stadtmauer ihren ehemaligen Verlauf an.

„Die Einfriedung von Ansiedlungen war Voraussetzung für den Erhalt der Stadtrechte“, erläuterte Walter Bienen. Stadtmauern und Wassergräben rund um mittelalterliche Städte dienten dem Schutz. Wassenberg habe 1273 Stadtrechte erhalten, so dass mindestens ab diesem Zeitpunkt auch die Einfriedungen durch die Stadtmauer und den Wassergraben anzunehmen sei, ergänzte Bienen.

Der Abstand des Wassergrabens zur Mauer war mit mindestens fünfzehn Metern anzunehmen. Darauf weise auch der Verlauf der Straße „Patersgraben“ hin. Das Mauerstück am Klostergarten des ehemaligen Kapuzinerklosters sei auf keinen Fall ein Stück der Stadtmauer, sondern später entstanden. Glaubhaft könne dieser Erklärung gefolgt werden, wer einen gedachten Verlauf zwischen der Restmauer am Roßtor und dem im Keller der Sparkasse vorhandenen Teilstücken ziehe.

Mit dem Aufsuchen der Graf-Gerhard-Straße war in Höhe des Hauses 30a auch der Standort des „Brühltor“ als drittes Stadttor erreicht. Mit einer Fotografie von 1927, auf der die Imitation des Tores zu sehen war, verdeutlichte Bienen den weiteren Verlauf der Stadtmauer. Üblich war, dass viele Stadthäuser direkt an der Innenseite der Mauer angebaut worden seien, was zudem eine Wand zu bauen erspart habe, erklärte Bienen den Zuhörern. Am Verlauf der Häuser parallel zur Nikolausstraße konnte diese These nachvollzogen werden. Der Wassergraben sei dort verlaufen, wo sich heute die Parkstraße befinde.

Wassergraben als Schutz?

Im Übrigen sei das Niveau bis zur „Bleiche“ am ehemaligen Freibad und dem Gondelweiher geeignet gewesen, einen Wassergraben als Schutz anzunehmen. Dass ein Wassergraben rundum die ehemalige Stadtmauer geführt habe, sei weniger möglich, wenn man die Anstiege entlang der heutigen Burgstraße und vom Küstersgarten bis zum Bergfried beachte.

Mit den noch vorhandenen Stadtmauern vom „Verlorenenturm“ entlang dem alten Freibad, dem Wehrturm am Gondelweiher durch „Küstersgarten“ bis zum Wehrturm von 1420 an der Kirchstraße wurde der Mauerverlauf nachvollziehbar. Dort widmete sich Bienen auch dem Namensursprung der Stadt.

Aus dem „Codex Welser“ des Autors Johann Franz Welser zitierend — eine um 1720 entstandene Landesbeschreibung und Bestandsaufnahme des Herzogtums Jülich, zu dem auch Wassenberg gehörte — verlas Bienen einen kurzen Abschnitt zu Wassenberg: „ligt ohnweit der Ruhr und heißt so Viel alß Waßer ahm Berg“, wie es im Original geschrieben stand.

Mit einer sprachlichen Ableitung ließ Bienen von „ Waßer ahm Berg“, über „WaßamBerg“ zu „Wassenberg“ die Teilnehmer eine mögliche Bezeichnungsentwicklung nachempfinden. Das lege nahe, dass der Name Wassenberg eher von Wasser als von „Waasen“ als Wiesenberg herzuleiten sei, bezog der Stadtführer sich auf das bekannte Buch „Wassenberg“ von Heribert Heinrichs. Mit dem Zitat endete denn auch eine unterhaltsame und interessante Stadtführung.