Kreis Düren: Alte Schätze in kilometerlangen Regalen: Ein Blick ins Archiv

Kreis Düren : Alte Schätze in kilometerlangen Regalen: Ein Blick ins Archiv

„Schimmelbefall, das geht ganz schnell“, weiß Helmut Krebs, der Leiter des Dürener Stadt- und Kreisarchivs. Seit 1976 arbeitet der heute 59-jährige Fachmann im „Gedächtnis von Düren“, seit 2003 steht er die Abteilung des Dürener Kulturbetriebs.

Die Aufbewahrung und Archivierung wichtiger oder gar historischer Unterlagen gehört zu den Aufgaben der Kommunen und Verwaltungen. Dazu sagt der Archivar: „Die Kommunen unterliegen dem Archivgesetz. Es gibt verschiedene Aufbewahrungsfristen, je nach Schriftgut.“ Krebs arbeitet mit seinem sechsköpfigen Team seit 2010 in weitläufigen Räumlichkeiten im Haus der Stadt in Düren. Hinzu kommen weitere Magazine im Rathaus und in der Kreisverwaltung in Düren.

Fundstück aus dem Rurtalgymnasium, das nun im Stadt- und Kreisarchiv Düren lagert.
Fundstück aus dem Rurtalgymnasium, das nun im Stadt- und Kreisarchiv Düren lagert.

Der Bestand eines Archivs wird in laufenden Metern gerechnet. Im Stadt- und Kreisarchiv in Düren lagert Material, das etwa 1,5 Regalkilometer füllt. Hinzu gesellen sich alte Glasnegative, Fotos, DVD und CD und Zeitungsbestände seit 1818. Die Bedingungen im Haus der Stadt sind zwar nicht perfekt, aber gut annehmbar. Ein perfektes Klima gerade für alte Papiere und Pergamente wären 18 Grad Zimmertemperatur bei 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Im Archiv herrschen diese Bedingungen zwar nicht exakt, doch sind sie zufriedenstellend.

Fundstück aus dem Rurtalgymnasium, das im Stadt- und Kreisarchiv lagert.
Fundstück aus dem Rurtalgymnasium, das im Stadt- und Kreisarchiv lagert.

Altes Papier ist besser

Heiratsurkunde von 1480, die im Stadt- und Kreisarchiv gelagert wird.
Heiratsurkunde von 1480, die im Stadt- und Kreisarchiv gelagert wird.

Anders war es noch vor mehr als einem Jahrzehnt, als die Unterlagen sehr beengt im Rathaus untergebracht waren. Helmut Krebs erinnert sich: „Damals erlebten wir den GAU. Über eine Hochterrasse drang Feuchtigkeit in einen der Räume und die Unterlagen dort schimmelten.“

Helmut Krebs, Leiter des Stadt- und Kreisarchivs Düren.
Helmut Krebs, Leiter des Stadt- und Kreisarchivs Düren.

Der Aufwand, den Schaden zu beheben, war enorm. Der Raum musste ausgeräumt werden und komplett kernsaniert werden. Zum Bestand des Stadt- und Kreisarchivs zählen Dokumente, die bis ins 13. Jahrhundert zurück reichen. Helmut Krebs kommt ins Schwärmen, redet er von altem Papier: „Das Papier war früher viel besser und beständiger. Es wurde aus gemahlenen Textilien gefertigt, so genanntes Hadern-Papier.“

Helge Drewes- Janssen mit einem alten Anmelderegister.
Helge Drewes- Janssen mit einem alten Anmelderegister.

Das heutige Papier aus Leim und Holzschliffmaterial vergilbt meist schon nach wenigen Tagen bei ungünstiger Lagerung. Immer wieder geschieht es, dass Nachlässe von Bürgern im Archiv abgegeben werden. Vier bis fünf Prozent der von den Verwaltungsdienststellen abgelieferten und im Archiv bearbeiteten Unterlagen kristallisieren sich im Schnitt als archivierungswürdig heraus, der Rest wird vernichtet. Krebs: „An dieser Stelle muss der Archivar entscheiden, was in hundert Jahren noch wichtig ist.“

Alte Unterlagen im Gemeindearchiv in Kreuzau.
Alte Unterlagen im Gemeindearchiv in Kreuzau.

Doch kann die Entwicklung auch andersherum laufen. So meldete sich im vergangenen Jahr das Rurtal-Gymnasium telefonisch mit den Worten: „Wir misten aus.“ Als sich Krebs die Unterlagen ansah, war er vollkommen begeistert: „Ich sah einen Schatz, Schulakten von vor hundert Jahren, allerdings in schlechtem Zustand.“ Die Schulakten, die wichtige Informationen auch zum Schulalltag ab 1870 enthalten, lagern inzwischen im Haus der Stadt und warten auf ihre Aufarbeitung wie viele andere Archivalien ebenfalls. Pro Jahr kann Helmut Krebs auf einen Etat in Höhe von 10.000 Euro für Restaurierungen von Dokumenten zurückgreifen. Doch dieses Geld ist unter Umständen schnell ausgegeben. Wird beispielsweise ein Blatt eingeschweißt mit Japanpapier, was es lesbar und dennoch sehr haltbar macht, dann kostet dieses spezielle Verfahren in der Regel sechs Euro pro Seite. In Pulheim-Brauweiler gibt es beispielsweise solch eine Werkstatt des Landschaftsverbands, die derartige Restaurierungen vornimmt. Pro Jahr besuchen das Stadt- und Kreisarchiv im Haus der Stadt in Düren rund 2000 Menschen, vom Schüler bis zum Professor. 40 Prozent der Benutzer betreiben Ahnenforschung und recherchieren dafür in den alten Kirchenbüchern, die ältesten Aufzeichnungen beginnen Anfang des 17. Jahrhunderts.

Im Rathaus lagern auch alte Wahlunterlagen.
Im Rathaus lagern auch alte Wahlunterlagen.

Auch Rathäuser haben seit der kommunalen Neugliederung 1972 die Pflicht, Unterlagen aufzubewahren. Helge Drewes-Janssen ist im Rathaus in Kreuzau der Abteilungsleiter „Zentrale Dienste“ und als solcher für das Archiv, das seit 1973 im Keller des Hauses lagert, verantwortlich. Er sagt: „Urkunden, Verträge und Urteile beispielsweise müssen 30 Jahre lang aufbewahrt werden.“ Bei manchen Papieren wie etwa Wahlunterlagen reichen auch fünf bis zehn Jahre aus. Urkunden, die das Standesamt beispielsweise ausstellt, müssen dauerhaft untergebracht werden. Und dann gibt es noch die Kategorie „S und D“, was bedeutet Sonder- und Dauerakten wie alte Kirchenbücher. Nur sehr wenige Besucher kommen über das Jahr, um einen Blick in das Gemeindearchiv zu werfen. Wenn jemand anklopft, dann möchte er meistens Geschichts- oder Ahnenforschung betreiben. Drewes-Janssen sieht durch die zunehmende Digitalisierung Neuerungen auf die Form der Archivierung zukommen. So werden viele Bescheide inzwischen per Mail verschickt. der Leiter des Gemeindearchivs Kreuzau weiß aber auch: „Land und Bund müssen zunächst die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, erst dann kann die digitale Archivierung in Angriff genommen werden.“ Im Rathaus ist jede Fachabteilung selbst für die Archivierung der Akten zuständig. Es gibt eine Fundliste. Historisch wertvolle Unterlagen sind jedoch ausgelagert worden, so liegt Material aus Kreuzau auch im Stadt- und Kreisarchiv und im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf. Innerhalb von fünf bis zehn Jahren werden die Bestände durchgesehen. Dann fliegt das raus und wird geschreddert, was aus zeitlichen Gründen nicht mehr gelagert werden muss.