Wassenberg: Alte Luther-Bibel soll endlich restauriert werden

Wassenberg : Alte Luther-Bibel soll endlich restauriert werden

Die Luther-Bibel von 1686, ein schwergewichtiges, vom Zahn der Zeit mitgenommenes Evangelienbuch, gehört zur sparsamen Ausstattung der „Hofkirche”, deren 350-jähriges Bestehen die evangelische Gemeinde Wassenberg am Reformationstag in festlichem Rahmen beging.

Nach den protokollarischen Aufzeichnungen in der „Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg-Dalheim” (1972) von Pfarrer Andreas Knorr wurde diese Luther-Bibel im Jahre 1862 durch die Gemeinde käuflich erworben.

Bürgermeister Manfred Erdweg, Bürgermeisterin Hedwig Klein aus Wegberg und Propst Rainer Mohren für die katholische Gemeinde St. Georg sagten finanzielle Unterstützung bei der seit langem angestrebten Restauration der Luther-Bibel zu.

Es ist bereits die 2. Auflage der 1617 erstmalig im Verlag Facheysen in Frankfurt/Main herausgegebenen Bibel in der hochdeutschen Übersetzung von Martin Luther, die für die evangelischen Gemeinden verbindlich wurde.

Die hochdeutschen Evangelientexte tragen in klein gedruckten Lettern jeweils Kommentare eines Paul Toussain, der sich in Anlehnung an die damals übliche Latinisierung der Namen „Toussanus” nannte.

Diese Bibelausgaben wurden in der Zeit der Behinderung der neuen Lehre „von Stadt zu Stadt” getragen. Vielfach kamen sie auch aus den nahen Niederlanden. Ab 1817 förderten die Preußen auch die Verbreitung des evangelischen Schriftgutes.

So ist wohl auch zu erklären, warum die Bibel 1862 durch die Gemeinde Wassenberg erworben werden konnte.

Der erste Pfarrer, der aus dieser Luther-Bibel das Evangelium in der „Hofkirche” vortrug, war Otto Grashof, geboren am 26. Februar 1836 in Köln als Sohn des Geheimen Schul- und Konsistorialrats Dr. theol. h.c. Julius Werner Grashof und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Hilger.

Otto Grashof studierte Theologie in Bonn, war Hauslehrer bei einer deutschen Kaufmannsfamilie im englischen Manchester. Dort verlobte er sich mit Alice Thomassen, seiner späteren Ehefrau, mit der er vier Kinder hatte. Alice starb bereits 1871.

Die zweite Ehefrau Grashof war die Heinsbergerin Caroline Tilgenkamp, eine Tochter des Redakteurs und Inhabers der „Heinsberger Zeitung”. Auch aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Pfarrer Otto Grashof wurde noch lange nach seinem Tode am 3. Januar 1909 als fröhlicher, weltoffener, gebildeter und geselliger Mann geschätzt.

Nach einem eher gespannten Verhältnis zum katholischen Pfarrer Bimmermann blieb er noch jahrelang dessen Nachfolger Dechant Otto Jansen freundschaftlich verbunden.

Familie Grashof unterhielt im Pfarrhaus eine Art „Höhere private Schule für Knaben”, die auch dort einquartiert waren. Die Liebe von Pfarrer Grashof zur Literatur und zur Dichtkunst war ausgeprägt.

Er soll sich lange mit dem Gedanken getragen haben, in Wassenberg eine öffentliche Bibliothek einzurichten. Mit einiger Gewissheit darf angenommen werden, dass der Kauf der Luther-Bibel auf seine Initiative zurückgeht.

47 Jahre lang war Otto Grashof evangelischer Pfarrer in Wassenberg. Sein Grab fand er auf dem evangelischen Friedhof gegenüber dem neuen Rathaus. Noch heute erinnert man sich an seine Gedichte zu vielerlei Anlässen.

So trug Kirchmeister Dr. Erwin Ruchatz zum Festgottesdienst am Reformationstag das „Wassenberger Gedicht” vor, das die „Hofkirche” in ihrer sehr bescheidenen Ausstattung beschreibt und die finanzielle Situation.