Geilenkirchen-Waurichen: Als der Traktor ein Porsche war

Geilenkirchen-Waurichen : Als der Traktor ein Porsche war

Aus allen Himmelsrichtungen knatterten und töfften die mächtigen landwirtschaftlichen Traktoren heran und hatten alle das selbe Ziel - Waurichen.

Der kleine Geilenkirchener Stadtteil erwachte am Wochenende aus seinem „Dornröschenschlaf”, denn neben rund 350 alten Traktoren und Landmaschinen bevölkerten auch Hunderte von Besuchern das Golddorf. Alle waren der Einladung der Interessengemeinschaft „Alte Traktoren” Waurichen zum 5. Oldtimer Traktor-Treffen gefolgt.

Und was sich da an alten Schätzchen auf dem Dorfplatz präsentierte, hielt nicht nur den Blicken der Oldtimer-Freunde, sondern auch den immer mal wieder eintretenden Hagelschauern stand.

IG-Vorsitzender Franz-Josef Reuters freute sich, dass so viele landwirtschaftliche Maschinen von weit her den Weg in den äußersten Westen gefunden hatten. „Die weiteste Anreise hatte ein Gefährt aus dem knapp 220 Kilometer entfernten Dülmen im Münsterland, dessen Besitzer zehn Stunden reine Fahrtzeit bis nach Waurichen benötigte.”

So standen die chromblitzenden, aber auch angerosteten Schmuckstückchen auf den Freiflächen um das Bürgerhaus verteilt und ernteten staunende Blicke. Wer hätte schon gedacht, dass es Traktoren mit dem klangvollen Namen „Porsche” gibt?

Und Fabrikate wie Ursus, Bautz, Holder, Schlüter, Vierzon, IHZ, Eicher, Hatz oder Güldner zählen beim Volke auch nicht gerade zu den bekanntesten Herstellern.

Bullernde „Bulldogs”

Aber, wer kennt sie nicht, die laut bullernden „Bulldogs” von Lanz, die auch in heimischen Regionen früher viel eingesetzten Traktoren von Deutz, Fendt, McCormick, Fahr, Hanomag, Ferguson, MAN oder Kramer?

Alle genannten Traktoren und Landmaschinen fanden ihre Bewunderer, und in Waurichen wurde an diesem Wochenende nur über landwirtschaftliche Gerätschaften gefachsimpelt.

H.J. Delahaye musste sich als Besitzer des ältesten Traktors vielen Fragen stellen. „Das ist ein Lanz HL12, Baujahr 1921 mit 7,35 Liter Hubraum und Kettenantrieb”, erfuhr der aufmerksame Zuhörer. Das 1-Zylinder-Gefährt sei früher beim Dreschen, Kartoffel roden oder Ziehen von Lasten verwendet worden.

Rosemarie und Werner Vetter aus Karlsruhe waren stolz auf das älteste landwirtschaftliche Gerät der Ausstellung: eine Sackausklopfmaschine, Baujahr 1904. In dem „rechteckigen Kasten” wurden seinerzeit leere Mehlsäcke ausgeklopft.

Das Ehepaar besitzt zudem noch eine Strohseilmaschine aus dem Jahre 1930, die sie auch mit nach Waurichen gebracht hat. Innerhalb einer Minute können mit dieser Maschine sechs Seile aus Stroh mit bis zu 2,4 Meter Länge gefertigt werden.

Beim Bummel über das Ausstellungsgelände eröffneten sich dem Betrachter Blicke in die Welt der Gaukler und Marktschreier, denn auch alte Zirkus- und Schaustellerwagen gab es zu sehen. Daneben wurden Ersatzteile für die alten Gefährte angeboten, Handarbeiten verkauft und die Besucher mit frischem Brot aus dem Wauricher Backes versorgt.

IG-Vorsitzender Reuters zeigte sich am Ende sehr zufrieden mit der Resonanz auf das 5. Oldtimer-Traktortreffen, denn besonders am Sonntag drängten sich die Menschen um die alten Traktoren.