Hückelhoven: Alle wollen jetzt die Gesamtschule

Hückelhoven : Alle wollen jetzt die Gesamtschule

Hätten die Damen und Herren des Schulausschusses gewusst, was sie im Halbfinalspiel der deutschen Kicker gegen die Spanier erwarten würde, wäre die Sitzung möglicherweise nicht so zügig, konzentriert und sachlich über die Bühne gegangen.

Der Einwurf eines Zuhörers, als Brigitte Brenner von Bündnis 90/Die Grünen eine Sitzungsunterbrechung beantragte, um den vorgelegten gemeinsamen Beschlussvorschlag noch einmal genau studieren zu können, war also überflüssig: „So macht man den Fußball kaputt”, sagte der. Dabei war die Sache, über die entschieden werden musste, für die Zukunft Hückelhovens so bedeutend wie kaum eine andere seit der vergangenen Kommunalwahl: Es ging darum, ob die Stadt Hückelhoven bei der Bezirksregierung den Antrag auf Errichtung einer vierten Gesamtschule im Kreis Heinsberg, nach Wassenberg der zweiten im Nordkreis, stellen sollte.

Wer im politischen Geschehen der Nicht-mehr-Zechenstadt einigermaßen auf dem Laufenden ist, brauchte keine Sorge zu haben, den Anpfiff zum Halbfinalspiel der Fußball-WM zu verpassen. Die CDU, die viele Jahre vehement gegen eine Gesamtschule Front gemacht hatte, war nach der Veröffentlichung des neuen Schulentwicklungsplan des Kreises Heinsberg für alle Städte und Gemeinden im Kreisgebiet umgeschwenkt: Sie setzt sich nun für die Errichtung einer weiteren Gesamtschule im Schulzentrum in Ratheim ein und stellte im Ausschuss einen entsprechenden Antrag.

SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linken und die UWG legten einen eigenen Antrag vor: Sie wollten nicht nur eine neue Gesamtschule bewilligt wissen, sondern auch einen zeitlich engen Rahmen dafür vorgeben. Mit dem Schuljahr 2011/12 sollte die neue Schulform ihre Arbeit aufnehmen können.

Es war CDU-Fraktionschef Heinz-Josef Kreutzer, der sehr schnell „das Angebot” machte, das die Fußballfreunde erleichtert, die eher politisch Interessierten mit ein wenig Erstaunen zur Kenntnis nahmen: „Wir können doch beide Anträge zu einem Gesamtantrag bündeln. Wir sind doch ganz nah beieinander.” Was Brigitte Brenner von den Grünen zu ihrem Ruf nach einer Auszeit veranlasste.

Die Länge einer Halbzeitpause genügte, und man war sich quer über die Fraktionsstühle im Sitzungssaal einig: Die Verwaltung wird beauftragt, „die rechtlichen Voraussetzungen für die Stellung eines Antrages auf Errichtung einer Gesamtschule unverzüglich zu schaffen. Die Einrichtung zum Schuljahr 2011/12 als Ganztagsschule wird angestrebt.” Das war der Schlusspfiff bei einem parlamentarischen Spielchen, das von einer ungewöhnlich großen Zuschauerzahl im Sitzungssaal des Rathauses verfolgt wurde. Möglich, dass einige mehr Spannung erwartet hatten. Die kamen dann bei der Übertragung des WM-Halbfinalspiels auf ihre Kosten.