Kreis Heinsberg: Alkohol- und Drogenberatung: Betroffene kommen oftmals viel zu spät

Kreis Heinsberg : Alkohol- und Drogenberatung: Betroffene kommen oftmals viel zu spät

617 Menschen nahmen im vergangenen Jahr Hilfe der Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen in Anspruch. Dies geht aus dem jetzt vorgelegten Jahresbericht der von Caritas und Diakonie getragenen Einrichtung in Hückelhoven hervor.

Dies bedeutet gegenüber dem Jahr zuvor (565Personen) eine deutliche Zunahme.

Rund 62 Prozent der Klienten waren Männer. Neben Alkohol- und Drogenproblemen ging es dabei auch um pathologisches Glücksspiel und Essprobleme, wie die Leiterin Marlies Trapp bei der Vorstellung des Jahresberichtes hervorhob. Neben den Abhängigen kommen auch deren Angehörige in die Beratungsstelle, um Rat und Zuspruch zu finden. Ihr Anteil betrug 2007 knapp ein Viertel der Ratsuchenden.

Die meisten Menschen kamen wegen Alkoholproblemen in die Beratungsstelle an der Parkhofstraße (46 ), gefolgt von der zweitgrößten Klientengruppe, den Cannabis-Konsumenten (19 ), die weiterhin jährlich zunimmt. Gemeinsam mit den Konsumenten von Amphetaminen (Aufputschmitteln) und Kokain machen sie die jüngste der Zielgruppen aus. Der Anteil der Heroinabhängigen war erneut rückläufig.

Volksdroge Nummer eins ist und bleibt der Alkohol. Statistisch gesehen habe jeder achte Deutsche ein Problem mit Alkohol, hieß es. Von Problemen mit Alkohol spricht man, wenn der Konsum die Menge von 20 Gramm reinen Alkohols bei Frauen und 30Gramm bei Männern übersteigt. Das entspricht etwa einer Flache Bier, einem Glas Wein oder drei „Kurzen”. Knapp zwei Millionen Bürger seien alkoholabhängig.

Viele Menschen scheuen den Weg zur Beratungsstelle, weil sie langwierige Therapien oder gar den Verlust der Arbeitsstelle fürchten. Für diese Menschen bietet die Beratungsstelle seit rund neun Jahren gemeinsam mit der Suchtberatung des Kreisgesundheitsamtes die Ambulante medizinische Rehabilitation Sucht an. Das Programm richtet sich an medikamenten-, alkohol- und drogenkranke Menschen, die sozial oder beruflich integriert sind und nicht monatelang von Familie und Beruf getrennt sein wollen.

Die im Jahresbericht veröffentlichen Zahlen zum Konsumverhalten der Teilnehmer nach Beendigung der Maßnahmen können sich sehen lassen. Knapp 90 Prozent der Befragten gaben zwei Jahre danach an, nicht mehr zu konsumieren. Den Erfolg des Programms führt Trapp auch darauf zurück, dass die Teilnehmer aus relativ geordneten Verhältnissen kämen und noch nicht zu geschädigt seien.

Trapp leitet die achtköpfige Einrichtung in Hückelhoven seit elf Jahren. Seit rund 16 Jahren ist die gelernte Diplompsychologin in der Suchtberatung tätig. Sie weiß, dass es wichtig ist für den Erfolg der Suchtüberwindung, möglichst früh zur Beratungsstelle zu kommen. Die Betroffenen, so Trapp, kämen oftmals viel zu spät, nachdem sie sich ihrer Probleme bewusst geworden seien. Je früher man Hilfe suche, umso größer seien die Erfolgschancen.