Kreis Heinsberg: Alkohol am Steuer: Rausch simulieren, für Gefahren sensibilisieren

Kreis Heinsberg : Alkohol am Steuer: Rausch simulieren, für Gefahren sensibilisieren

„Das ist total ungewohnt, man nimmt alles anders wahr“, zeigt sich Leon Schauerte (18) überrascht als er die Rauschbrille aufsetzt. Die spezielle Brille simuliert die Sichtweise eines Menschen, der 1,3 Promille Alkohol im Körper hat. In einer gemeinsamen Aktion „Mit der Rauschbrille durch die Nacht — Kein Alkohol im Straßenverkehr“ machten Polizei, Gesundheitsamt, Rettungsdienst und Feuerwehr sowie weitere Institutionen in der Nacht zum Samstag auf dem Parkplatz vor der Diskothek Himmerich auf die Gefahren von Alkohol am Steuer aufmerksam.

Mit drastischen Filmausschnitten aus dem „Crashkurs“ der Verkehrssicherheitsberater verdeutlichten die Polizeihauptkommissare Jürgen Heitzer, Peter Hissel und Willi Jansen wie sich die letzte Sekunde im Leben eines jungen Autofahrers unter Alkoholeinwirkung auswirkt, wenn er gegen einen Baum fährt. „Übrig bleibt nur unendliche Trauer“, lautet die abschließende Mahnung.

Kopfüber abschnallen? Gar nicht so einfach zeigt der Versuch im Überschlag-Simulator.
Kopfüber abschnallen? Gar nicht so einfach zeigt der Versuch im Überschlag-Simulator. Foto: Georg Schmitz

„Eine Aufklärung mit diesen Schockbildern zeigt ihre Wirkung bei den Zuschauern“, weiß Jürgen Heitzer. Führerscheinneuling Florian Hanßen wagt die Fahrt unter Einsatz der Rauschbrille auf dem eigens ausgewiesenen Parkplatzbereich. Fahrlehrer Jochen Dautzenberg sitzt neben ihm und muss mehrmals korrigierend eingreifen, damit der 18-Jährige nicht die aufgestellten Pylonen umfährt. Auch das Einparken fällt sichtlich schwer, die Rauschbrille hat Schauerte einen anderen seitlichen Abstand „vorgegaukelt“, als er in Wirklichkeit vorhanden ist. Selbst die ihm gereichte Hand entgegennehmen oder Fritten mit einem Gäbelchen aufnehmen und zu Mund führen erweist sich mit der Rauschbrille als schwierig.

Fahrlehrer Jochen Dautzenberg passt auf, dass Führerscheinneuling Florian Hanßen unter Einfluss der Rauschbrille keinen „Unfall“ baut. Fotos (3): Georg Schmitz
Fahrlehrer Jochen Dautzenberg passt auf, dass Führerscheinneuling Florian Hanßen unter Einfluss der Rauschbrille keinen „Unfall“ baut. Fotos (3): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz

Die Polizeibeamten sind bei den Fahrtests mit Rauschbrille kein Risiko eingegangen und haben die Fahrten nur für nüchterne Teilnehmer zugelassen. „Ein weiteres großes Problem ist das Handy“, meldet sich Willi Jansen zu Wort. Zahlreiche Verkehrsunfälle seien schon durch Telefonieren oder dem Versenden von SMS während der Fahrt mit dem Handy verursacht worden.

Einige Himmerich-Gäste wagen den Einstieg in den Überschlag-Simulator. Kopfüber in den Gurten hängend erfahren die Teilnehmer wie schwierig es ist, den Sicherheitsgurt zu öffnen und sich aus dieser misslichen Lage zu befreien. „Das Ziel der gemeinsamen Aktion ist es, junge Menschen für die unter Alkoholeinfluss bestehenden Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren“, sagt Ilona van Halbeek vom Kreisgesundheitsamt. Bereits nach einem Glas Bier verlängere sich die Reaktionszeit und die Bereitschaft steige, riskanter zu fahren. Mit 0,5 Promille im Blut reagiere der Mensch schon langsamer und schätze die Geschwindigkeit falsch ein. Die Feuerwehr Heinsberg hatte ein Unfallauto bereit gestellt, um zusammen mit dem Rettungsdienst zu demonstrieren, wie ein Mensch aus demselbigen befreit wird.

(g.s.)