Übach-Palenberg: Aktion "Riegel vor!": Schon bei vagem Verdacht die 110 wählen

Übach-Palenberg : Aktion "Riegel vor!": Schon bei vagem Verdacht die 110 wählen

Wie sich ein Einbruchsopfer fühlt, weiß Gabriele Peters seit Montagmorgen ganz genau. Als sie um neun Uhr ihren Hundesalon am Kirchberg in Übach-Palenberg aufschließen wollte, fiel ihr gleich auf, dass etwas nicht stimmt. Das Schloss fehlte. Im Inneren des Salons war alles verwüstet: Scheren, Wechselgeld und Pflegeprodukte waren gestohlen. Eine Alarmanlage ist an ihrem Ladenlokal nicht installiert.

„Hier kann man nicht mehr machen als abzuschließen“, sagt die Inhaberin. Ihr schießen Tränen in die Augen. Der oder die Täter sind mit ihrer Beute längst verschwunden.

Vor diesem Problem stehen die Polizeibeamten der Kreispolizeibehörde häufig, weil die Betroffenen sich erst nach einer Stunde oder erst nach einem Tag bei der Polizei melden.„Bei allem Verständnis ist es aber sinnvoll, sofort zu reagieren“, sagt Frank Reuters, Leiter des Kriminalkommissariats 2 des Kreises Heinsberg. Ein Täter löse sich nicht in Luft auf, und so habe man noch die Chance, die Diebe zu erwischen, sagt er. Ein Grund für die verspätete Alarmierung sei zum Beispiel, dass viele Menschen immer noch Hemmungen hätten, die Polizei anzurufen, „wenn ihnen etwas komisch vorkommt“. Genau daran wollen die Beamten mit der vierten Auflage der Aktion „Riegel vor! Sicher ist sicherer.“ etwas ändern. Seit gestern informieren, beraten und diskutieren die Polizisten mit Bürgern im Kreis Heinsberg, unter anderem in Übach-Palenberg.

Grundsätzlich lassen sich Täter in drei Gruppen einsortieren: Sogenannte örtliche Täter, die zum Beispiel Beschaffungseinbrüche begehen, um ihren Drogenkonsum zu finanzieren, Täter, die aus dem Ausland in die Grenzregion kommen und sogenannte reisende Täter. Das seien meist Kleingruppen, die sich eine Ortschaft aussuchen, dort vier bis fünf Einbrüche begehen und dann wieder verschwinden. Meist schlagen die Einbrecher in der Dämmerung zwischen 17 und 18 Uhr zu, hebeln die Türen oder Fenster mit einem Schraubenzieher auf und brauchen nur wenige Sekunden, um in das Haus zu kommen. So weit die Statistik. Verallgemeinern lasse sich das aber nicht, „weil Täter sehr vielfältig arbeiten“, sagt Wolfgang Ulbrich, der bei der Polizei Heinsberg für Kriminalprävention und Opferschutz zuständig ist.

51 Fälle mehr als im Vorjahr

Im Kreis Heinsberg gab es im vergangenen Jahr 746 Einbrüche. Im Vergleich zum Jahr 2014 stieg die Zahl um 51 Fälle. Aktuell liegen die Zahlen etwa auf Vorjahresniveau, genaue Daten wollen die Beamten noch nicht veröffentlichen. Die meisten Einbrüche wurden im November und Dezember begangen. „Sowas wollen wir nicht noch einmal erleben“, sagt Reuters.

Das Ziel sei, die Zahl durch verstärkte Aufmerksamkeit der Bürger und reduzierte Tatgelegenheiten zu unterschreiten. Konkret heißt das: Die Bürger sollen sich schon bei „einem komischen Bauchgefühl“ melden und die Häuser sollen besser gesichert werden. Aber wenn man etwas mache, dann auch das Richtige, sagt Ulbrich. „Es bringt nichts, hinten am Haus alles zu sichern und dann die Haustüre nicht abzuschließen“, sagt er. Auch kostspielige Kameraanlagen allein sichern ein Haus nicht ausreichend ab. Welche Einbruchsprävention sinnvoll ist, um sich gegen möglichst viele Tätergruppen zu schützen, wollen die Beamten bei ihren Informationsveranstaltungen im Rahmen der Aktion „Riegel vor!“ in dieser Woche oder in einer persönlichen, kostenlosen Beratung den Bürgern des Kreises vermitteln.

Für Gabriele Peters kommen diese Tipps erst einmal zu spät. Sie muss nun aufräumen, neues Arbeitsmaterial beschaffen und kann dann in einer ruhigen Minute über eine bessere Sicherung ihres Geschäfts nachdenken, damit ihr so ein Einbruch kein zweites Mal passiert.