Wegberg: Ärzte reden frei über ein Tabu-Thema

Wegberg : Ärzte reden frei über ein Tabu-Thema

Viele tun es nicht, weil allein die Vorstellung unangenehme Gefühle weckt. Dabei ist die endoskopische Untersuchung des Darms oft nicht nur angebracht, sondern dringend notwendig.

Etwa 30.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Darmkrebs, die Zahl der Neuerkrankten beläuft sich jährlich auf rund 57 000 Patienten. „Darmkrebs ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu-Thema”, weiß Dr. med. Peter Reinhardt, Chefarzt und Leiter des St. Antonius Krankenhauses.

Um Schwellenängste abzubauen und der Bevölkerung effektive Präventivmaßnahmen vor Augen zu führen, öffnete die Klinik ihre Endoskopie-Abteilung am Samstag für den Besucherverkehr. Der Tag der offenen Tür zog eine ganze Reihe von interessierten Menschen in die hochmodern ausgestatteten Untersuchungsräume.

Alptraum Darmspiegelung - nicht wenige hadern lange mit sich selbst, bevor sie diesen Schritt wagen. „Das Ziel ist, den Leuten die Angst vor den Schläuchen zu nehmen”, bringt Gastroenterologe Dr. Dirk Asdonk das Anliegen der Ärzteschaft auf den Punkt. Chefarzt Reinhardt merkt an: Bei frühzeitiger Diagnose von Dickdarmpolypen - der Vorstufe von Dickdarmkrebs - bestünden fast hundertprozentige Heilungschancen.

Erst vor einem Jahr wurden die neuen Behandlungszimmer im Erdgeschoss des Krankenhauses in Betrieb genommen. Die Hygienevorschriften seien strikt und unterlägen der amtsärztlichen Kontrolle, weist Reinhardt auf den Desinfektionsraum für die Gerätschaften hin.

„Es darf unter keinen Umständen passieren, dass ein Patient einen krankhaften Keim aufschnappt Aus diesem Grund herrsche auch eine strenge räumliche Trennung zwischen den Untersuchungsbereichen des oberen und unteren Magen-Darm-Traktes.

Allein das schlauchartige Gastros- kop hat einen Wert von 15.000 Euro. Eine komplette technische Einheit mit Bildschirm, Prozessor und Lichtquelle kostet gar 65.000 Euro. Durchschnittlich 40 endoskopische Untersuchungen pro Woche stehen auf dem Dienstplan von Magen-Darm-Spezialist Asdonk.

Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören nach Auskunft des Arztes Speiseröhrenentzündungen und die Polypenbildung im Dickdarm. Am Samstag war in der Endoskopie-Abteilung verständlicherweise kein Patient anzutreffen.

Wer das Behandlungsbesteck dennoch einmal aus der ärztlichen Perspektive kennen lernen wollte, der hatte dazu durchaus Gelegenheit - allerdings nicht in Form einer Darmspiegelung am lebenden Objekt, sondern in Form von „Trockenübungen” an einem Plastik-Torso. Der Realismus blieb dabei keinesfalls auf der Strecke, denn der stets wortlose „Dummy” verfügt über einen wirklichkeitsgetreuen Magen-Darm-Trakt.

Bundesweit nehmen 180 Krankenhäuser an der informativen „Screening-Aktion” teil. Vorbild für den Darmkrebsvorsorgemonat März sind die USA. Dort, so Chefarzt Reinhardt, sei es durch umfassende Aufklärungsmaßnahmen innerhalb weniger Jahre gelungen, die Zahl der Darmkrebs-Toten nahezu um die Hälfte zu reduzieren.

Dieses Ziel soll auch in Deutschland erreicht werden. Unterstützung erfährt die Aufklärungsarbeit des St. Antonius Krankenhauses durch die Felix-Burda-Stiftung und die AOK Rheinland.