Aachen: Aachen zeigt sein ältestes Schätzchen

Aachen : Aachen zeigt sein ältestes Schätzchen

Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an: Ganz schön wuchtig wirkt das dicke, runde Wachssiegel, das mitten auf dem zarten, dünnen Pergament prangt. „Ein Siegel in dem Umfang und auch ein so großes Pergament ist durchaus als Zeichen dafür zu werten, dass es sich um ein wichtiges Dokument handelt“, sagt Dr. René Rohrkamp, Leiter des Stadtarchivs.

Die Rede ist von der Novallandschenkung, einer Schen­kung Heinrichs II. an die Reichsabtei Burtscheid. Darin geht es um ein genau umschriebenes Gebiet, aus dem sich das reichsfreie Territorium der Abtei entwickelte. Es handelt sich bei dem Pergament, das seinerzeit wohl von professionellen Kanzleischreibern verfasst wurde, um die älteste Urkunde im Besitz des Aachener Stadtarchivs, und in diesem Jahr wird diese Urkunde genau 1000 Jahre alt.

Dieser runde Geburtstag wird am kommenden Sonntag gebührend gefeiert — mit einem Aktionstag im Centre Charlemagne. Anschließend wird das besondere Exponat rund einen Monat lang zu sehen sein, bis zum 25. Februar.

Das auf Tierhaut geschriebene Dokument von der Nadelfabrik in die Innenstadt zu bekommen, ist nicht ganz ohne, denn das Pergament ist temperatur- und lichtempfindlich. „Bei uns im Archiv lagert das Dokument bei 16 bis 18 Grad und 45 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit“, sagt Rohrkamp Die Luftfeuchtigkeit im Museum ist zwar ähnlich — doch frieren müssen die Besucher natürlich nicht, wie Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, erklärt: „Die Urkunde wird in einer Glasvitrine ausgestellt“, sagt er. Das hält das Pergament wohl einen Monat lang aus, ist Archivar Rohrkamp sich sicher. „Außerdem wollen wir unsere Schätze ja auch der Öffentlichkeit präsentieren.“

Auch wenn sich der kommende Sonntag an die allgemeine Öffentlichkeit richtet, wurde der runde Geburtstag genutzt, um sich wissenschaftlich näher mit dem Dokument zu befassen. Das hat Monika Gussone, Historikerin an der RWTH Aachen, übernommen. Ihre Erkenntnisse hat sie in einem 64-seitigen Buch niedergeschrieben, das es sowohl im Centre Charlemagne als auch im Stadtarchiv zu kaufen geben wird. Nettes Extra: Das Buch enthält die Urkunde als Replikat im DIN A3-Format zum Ausklappen.

Da sich die Urkunde ursprünglich nicht im Besitz der Stadt Aachen, sondern der Abtei Burtscheid befand, soll der Stadtteil am Sonntag entsprechend beteiligt werden. Darum sind auch die Gesellschaft Burtscheid für Geschichte und Gegenwart sowie die Burtscheider Heimatfreunde mit an Bord. „Für uns als relativ junger Verein ist es eine schöne Gelegenheit, unsere Arbeit zu präsentieren“, sagt Uwe Reuters von den Heimatfreunden.