Erkelenz: 550 Kilometer mit dem Rennrad

Erkelenz : 550 Kilometer mit dem Rennrad

Wie das Schicksal so spielt: Pünktlich um 14 Uhr ergießt sich am Mai-Feiertag ein kurzer, aber heftiger Regenschauer auf das Erkelenzer Land.

Pünktlich um diese Uhrzeit will auch Karl-Heinz Esser mit seinen drei Teamkollegen zu einer Trainingsfahrt ins rund 550 Kilometer entfernte Ungerthal bei Nürnberg starten. Mit dem Rennrad, versteht sich. Treffpunkt ist das Alte Rathaus.

Die Distanz ist nicht gerade ein Pappenstiel, aber für die Radsportler im besten Mannesalter nur ein kleiner Vorgeschmack auf ihre „große Fahrt” quer durch die Vereinigten Staaten. Im Juni werden sie an der Race Across America (RAAM) teilnehmen. 5000 Kilometer gilt es dann nonstop zurückzulegen - von San Diego bis Atlantic City. Über so ein bisschen Feuchtigkeit können die Sportler deshalb nur milde lächeln.

Die extremen Klimabedingungen während ihrer Amerika-Rundreise unterschätzt Karl-Heinz Esser keineswegs. Das Ziel jedoch ist bereits klar umrissen: „Ich werde mit Sicherheit nicht gewinnen, aber Finisher will ich schon werden.” Hauptsache durchkommen also. Mit 51 Jahren ist der Fleischermeister der Älteste im Team, bestehend aus dem Diplom-Ingenieur Adolf Sommer aus Erkelenz, Professor Dr. med, Jürgen Reul aus Bonn und Manager Georg Holzner aus Erlangen. Doch dieser Umstand vermag ihn nicht zu irritieren. „Wir wollen diesen durchtrainierten 25-jährigen Sportstudenten zeigen, dass die älteren Semester auch noch was zu bieten haben”, betont Esser ehrgeizig.

Das vierköpfige Team hat sich vorgenommen, die 550 Kilometer lange Strecke nach Nürnberg in weniger als 24 Stunden zurückzulegen, und zwar ohne Pausen. Am Freitagmittag wollten sie Ungerthal erreicht haben. Was folgt, ist eine Leistungsdiagnostik, die den Sportlern Auskunft über ihre körperliche Fitness gibt. Diese wird am Hubert-Schwarz-Zentrum vorgenommen, das die Betreuung der Männer übernommen hat.

Weniger auf die Muskelmasse, sondern auf die Ausdauer kommt es an. Bereits im Herbst hat Karl-Heinz Esser mit dem intensiven Training begonnen. Ob die Vorbereitung ausreichend war, und davon ist er überzeugt, wird sich in naher Zukunft herausstellen.

Immer im Gepäck bei ihrer Tour nach Nürnberg: Butterbrote, Müsli-Riegel, Obst und vor allem genügend Flüssigkeit. „Ich schätze mal, dass wir pro Stunde einen Liter brauchen.” Ausschlaggebend seien immer die jeweiligen Temperaturverhältnisse. Von ganz extremer Art werden diese in den USA sein. Doch auch auf Hitze jenseits der 30 Grad ist der Fleischermeister vorbereitet. „Ich stell einfach meinen Hometrainer in die Saune, kipp ein wenig Sand rein und stell mir vor, ich wäre in der Wüste”, scherzt Esser.

83 000 Höhen-Fuß gilt es im Verlauf der RAAM zu bewältigen. Bei der Fahrt nach Ungerthal, größtenteils über Landstraßen, sind es selbstverständlich nicht ganz so viele. Obwohl: Das Siebengebirge liegt auf ihrer Route, außerdem der Westerwald, der Taunus und der Spessart. Mehrere Begleitfahrzeuge sind immer zur Stelle und versorgen das Team mit allen lebensnotwendigen Materialien. Und in der Nacht leuchten sie den Fahrern sogar den Weg aus.