Kreis Düren: 460 Kollisionen im Jahr 2009: Wildunfälle sind kein Winterphänomen

Kreis Düren : 460 Kollisionen im Jahr 2009: Wildunfälle sind kein Winterphänomen

In der Dämmerung passieren die meisten Wildunfälle, morgens wie abends: Auf waldreichen Straßen taucht plötzlich ein Reh oder Wildschwein aus dem Nichts auf und erstarrt im Scheinwerferlicht zum unbeweglichen Hindernis. Der Autofahrer „steigt in die Eisen”, kann die Kollision aber nicht mehr vermeiden.

Rund 420 Wildunfälle registrierte die Polizei im Kreis Düren allein im vergangenen Jahr.

Und das beileibe nicht nur im Winter, wie der Laie meinen könnte, wenn die Tiere bei gefrorenem und verschneitem Boden auf der Suche nach Nahrung weitere Strecken zurücklegen oder das Salz an den Straßenrändern auflecken. „Wildunfälle sind ein ganzjähriges Phänomen”, weiß Heinz Bellen, Leiter der Direktion Verkehr der Dürener Polizei, aus Erfahrung. Allein am Wochenende wurde die Polizei wieder zu sechs Fällen gerufen, 29 waren es bislang bereits im März.

Ein Schwerpunkt bildet seit Jahren die Tagebaurandstraße (L264) zwischen Stetternich und Hambach, aber auch auf den waldreichen Eifellandstraßen bei Heimbach und Nideggen, auf der B399 bei Raffelsbrand und der B56 bei Freialdenhoven sowie auf den Kreisstraßen Soller/Drove und Langerwehe/Schevenhütte kommen sich Autofahrer und Wild immer wieder in die Quere.

Deshalb mahnt Bellen vor allem auf diesen Strecken zu erhöhter Vorsicht zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. „Fuß vom Gas” lautet seine Devise überall dort, wo das Verkehrsschild „Wildwechsel” zu sehen ist. „Bei Dunkelheit nicht schneller als Tempo 70”, appelliert der Erste Polizeihauptkommissar an die Autofahrer, schon gar nicht in unübersichtlichen Kurven.

Und wenn doch einmal der Fall der Fälle eintritt? „Hupen, abblenden und voll auf die Bremse.” Lieber eine Kollision in Kauf nehmen als versuchen, dem Wild auszuweichen und die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Denn in der Regel bleibt es bei Wildunfällen bei Sachschaden: Nur in rund zwei Prozent aller Fälle werden die Insassen der Fahrzeuge verletzt. Anders sieht es freilich bei Motorradfahrern aus, die deshalb besonders wachsam sein sollten.

Und wenn der Unfall erst einmal passiert ist, sollte auf jeden Fall die Polizei hinzugezogen werden. Die Beamten verständigen den Jagdpächter, sichern Spuren - wenn das Tier vielleicht schwerverletzt noch im angrenzenden Wald verschwunden ist - und fertigen einen Unfallbericht, der die Erstattung der Kosten durch die Versicherung erleichtert.

„Auf keinen Fall das Wildschwein oder Reh in den Kofferraum laden und als Festtagsbraten verspeisen”, warnt Heinz Bellen. „Das wäre eine Straftat, denn das Wild gehört dem Jagdpächter”, erklärt der Hauptkommissar, der in den zurückliegenden Jahren eine stetige Zunahme an Wildunfällen im Kreis Düren registriert hat.