Hückelhoven: 400 Millionen Tonnen Kohle unter Wasser

Hückelhoven : 400 Millionen Tonnen Kohle unter Wasser

Die Atomenergie wird aufgrund der damit verbundenen Risiken nach derzeitigem Stand in Deutschland wohl kaum eine Zukunft haben. Die Suche nach Alternativen und die weitere Förderung bereits bestehender sind immer wieder Gesprächsthema.

Selbst der Steinkohlebergbau wird von so manchem wieder thematisiert. Wie realistisch wäre in diesem Zusammenhang eine Wiederbelebung der Zeche in Hückelhoven?

Viel ist nicht mehr übrig von dem Steinkohlebergwerk Sophia-Jacoba. Am 27. März 1997 kam hier die letzte Kohle ans Tageslicht; es folgten der Abriss und die Stilllegung der Schächte. Lediglich Schacht 3, der nach 300.000 ehrenamtlich abgeleisteten Arbeitsstunden und ebenso vielen Euro an nicht öffentlichen Mitteln für Besucher zugänglich ist, prägt nach wie vor das Stadtbild Hückelhovens. Und doch ist das Bergwerk nicht leer.

Unter dem ehemaligen Flughafen Wildenrath liegen noch 40 Millionen Tonnen Kohle, unter dem Südfeld sogar 400 Millionen Tonnen. „Ein gutes Bergwerk fördert bis zu zwei Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Wenn man davon ausgeht, dass auch nur die Hälfte der Kohle für uns verwertbar ist, dann hätten wir genügend Kohle für hundert Jahre”, so Franz-Josef Sonnen, der die letzten 16 Jahre der Zeche Sophia-Jacoba Betriebsratsvorsitzender war und nun Vorsitzender des Fördervereins Schacht 3 Hückelhoven ist.

Gibt es also Grund zur Annahme, dass Sophia-Jacoba wieder aufgebaut wird? Gerade jetzt, da über die ursprünglich geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken diskutiert wird, ist das
Thema Energieversorgung hochaktuell. Wenn ein Abschied von der Atomkraft erfolgen sollte, dann wird nicht nur mit so genannter grüner Energie zu rechnen sein, sondern auch die Brückentechnologie Kohle könnte wieder eine größere Rolle spielen. Mehr Kohlekraftwerke wären die Folge.

„Ich bin überzeugt davon, dass hier eines Tages wieder Kohle gefördert wird.” Mit „hier” meint Sonnen allerdings nicht Sophia-Jacoba und die Millionen Tonnen an Kohle, die in der Region noch unter der Erde liegen. Das Bergwerk steht unter Wasser und müsste komplett neu aufgebaut werden. Ein Investor für dieses kostenintensive Unternehmen sei nicht bekannt und man könne vorläufig auch nicht mit einem rechnen.

Doch ein paar Kilometer weiter nördlich liegen 1,4 Milliarden Tonnen Kohle, die wohl tatsächlich in absehbarer Zeit gefördert werden könnten - allerdings von Niederländern und nicht von Deutschen, da Konrad Adenauer im Tausch gegen den Selfkant das Kohlefeld unter Meinweg und Umgebung angeboten hatte. Zwar stehe auch hier in der Tiefe von 600 Metern alles voll mit Wasser, doch vor einigen Jahren sei berechnet worden, ob sich ein Abbau wirtschaftlich lohne. Ein Planungsauftrag war die Folge.