Heinsberg: 30 Jahre lang persische Kunstwerke verkauft

Heinsberg : 30 Jahre lang persische Kunstwerke verkauft

Wenn sich Ali und Beate Banahan Ende des Jahre als Inhaber ihres Fachgeschäfts für Orientteppiche in der Fußgängerzone verabschieden, hat das nichts mit der viel beklagten Kaufzurückhaltung und schwächelnder Konjunktur zu tun.

Der 51-jährige Ali Banahan, der vor 30 Jahren als mutiger Jungunternehmer aus Persien nach Heinsberg kam, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der ersten Reihe des Geschäftslebens zurück.

Noch hofft er, einen Nachfolger zu finden, der die Erfolgsgeschichte des exklusiven Teppichhandels mit Reinigungs- und Restaurationsservice weiter führt.

Gern würde er dann beratend zur Seite stehen, um die guten Kontakte zum Kundenkreis zu pflegen. Denn für Ali Banahan und seine Frau Beate bedeutet „Teppich Orient” auch ein Stück Heimat und Selbstverwirklichung.

Gerne erinnern sich beide an die Gründungsphase und die freundliche Aufnahme in der Kreisstadt.

Anfang der 70er Jahre war es keinesfalls selbstverständlich, dass ausländische Mitbürger im jugendlichen Alter ihren „eigenen Laden” eröffneten, schnell bodenständig wurden, und große Akzeptanz fanden.

Doch das freundliche Wesen der Eheleute Banahan und ihre Fachkompetenz brachte sie in Heinsberg schnell auf Erfolgskurs. Sie wurden Heinsberger. Allen Konjunkturflauten wurde getrotzt.

Die auf rund 400 Quadratmetern gelagerten und teilweise ausgestellten 1000 Perserteppiche sind allesamt wertvolle, individuelle Kunststücke. Einmal jährlich gibt es ein Wiedersehen in der persischen Heimat, wo für Teppichnachschub gesorgt wird.

Zu den ganz besonderen Schmuckstücken gehört das Werk eines ihm persönlich bekannten 71-jährigen Teppichknüpfers aus dem Nordwesten Persiens.

„Johannes der Täufer” ist das schillernde Motiv des mehr als 100 Jahre alten Teppichs mit dem Wert eines Luxusautomobils der gehobeneren Ausstattung. „Es ist eine perfekte und weltweit einzigartige Arbeit.”

Ali Banahan gerät ins Schwärmen: „Es fehlt nur, dass er atmen kann.” Im Kundengespräch spürt Ali Banahan schnell dessen Wünsche, sorgt für das erste Kennen lernen und bietet Entscheidungshilfen.

So manch Unentschlossener konnte sich schon mehrere Teppiche zum Probelegen mit nach Hause nehmen.

Im ersten Jahr seines Geschäftsstarts in Heinsberg wunderte sich eine ältere Dame, dass er nicht mal nach einer Quittung oder Vorkasse fragte und ergänzte: „Dass es noch Vertrauen gibt, muss man von einem Ausländer lernen.”

Eine Begegnung, die Ali Banahan niemals vergessen wird. Sie gehört zu den vielen schönen Erinnerungen seiner 30-jährigen Geschäftstätigkeit in Heinsberg.