Wegberg: 29. Treffen des AMVC lockte viele Oldtimer-Fans

Wegberg : 29. Treffen des AMVC lockte viele Oldtimer-Fans

Sie tragen altehrwürdige Namen wie Trumpf, Standard 6 oder M 100 und haben teilweise über 70 Jahre auf dem Buckel.

Zirka 600 Exemplare der Frankfurter Fahrzeugmarke Adler schnurren unter ihrem Blechkleid immer noch wie „ungezähmte” Kätzchen. Selbst die Wirren des Zweiten Weltkriegs und die Zeit des Wiederaufbaus überstanden einige der robusten Automobile mehr oder weniger unbeschadet.

Danach begann die Fertigung von Motorrädern im großen Stil. Eines steht also fest: Von so ein bisschen Regen lassen sich Adler-Piloten nicht in die Schranken weisen.

Besonders deutlich wurde beim 29. Jahrestreffen des Adler-Motor-Veteranen-Clubs (AMVC) von Freitag bis Sonntag, dass Adler-Fabrikate vor allem zum Fahren da sind.

Zirka 90 Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, der Schweiz und den Niederlanden lockte das benzingetränkte „Event” an den Grenzlandring. Fachsimpeleien über technische Details der geliebten „Schmuckstücke” konnten nach Herzenslust geführt sowie Ersatzteile erworben werden. Eine Fahrzeugausstellung stand allen Besuchern offen.

Aber auch handfester Einsatz war gefragt: Am Samstagmorgen nämlich gingen die Adler-Liebhaber mit ihren Karossen auf große Fahrt. 85 Kilometer lang durften ihre Schätzchen zeigen, was unter ihrer wohlgeformten und manchmal aufwändig restaurierten Blechhaut steckt.

Selbstverständlich traten die Oldtimer-Fans nicht aufs Gaspedal, ohne ein festes Ziel vor Augen zu haben. Ein leckeres Mittagessen nahmen sie auf dem Rathausplatz der Wegberger Partnerstadt Echt ein. Anschließend stand wieder die Rückreise über Vlodrop und Rothenbach an.

Landschaftlich schön müsse so eine Strecke sein, erklärte Günther Wimmers vom Motorsport-Club Wickrath. Der fachkundige Kraftfahrzeugmechaniker war für die Routenplanung zuständig und brachte eigenhändig 400 Wegweiser entlang der Strecke an.

Nein, von einer Rallye könne man gewiss nicht sprechen, verneint Wimmers, selbst stolzer Besitzer einer Adler M 100. „Rallye hört sich immer so stramm an.” Bei der Tour stehe das Erleben der Umgebung im Vordergrund und nicht das Brechen von Geschwindigkeitsrekorden. Deshalb habe er auch vornehmlich Nebenstraßen ausgesucht, so Wimmers.

Auch Pokale gab es zu gewinnen. Wer einen solchen sein eigen nennen wollte, musste an der so genannten Sonderprüfung teilnehmen. Während es beim Bremstest auf die Standfestigkeit der Automobile ankam, forderte das Winkelgatter und das Spurbrett die Geschicklichkeit ihrer Fahrer.

So manchen Zaungast amüsierte speziell die Hupprüfung: Prüflinge hatten die Aufgabe, nach einem Zeitintervall von zehn Sekunden ihre Hupe zu betätigen. Hilfsmittel waren strengstens untersagt.

Ein ganz besonderes automobiles Juwel glänzte auch noch inmitten des prasselnden Regens: der mehr als 70 Jahre alte Standard 6 mit einem 2,6 Liter großen Sechszylinder-Motor und 45 PS.

Das Herz des „nackten” Pkw konnte genau unter die Lupe genommen werden, denn dieser befindet sich gerade in der Phase der Restaurierung. Fahrgestell, Motor und Getriebe sind wieder topfit, doch noch fehlt die „Wiedervereinigung” mit der schützenden Karosserie.

Spätestens 2007 will Besitzer und Fahrtleiter Siegbert Zimmer sein aufwändiges Werk vollendet haben - gerade rechtzeitig zum 80. Jahrestag des Reisebeginns von Industriellentochter Clärenore Stinnes um die Welt, selbstverständlich in einem Adler Standard 6.

Und auch am Sonntag trauten sich die Adler-Fans noch einmal auf die „Piste”. Bei der Ausfahrt über den Grenzlandring sorgten sie erneut für großes Erstaunen bei den anderen Autofahrern, die in ihren modernen Karrossen bisweilen vor Neid erstarrten.