Erkelenz-Borschemich: 200 Grundstücke im neuen Ort

Erkelenz-Borschemich : 200 Grundstücke im neuen Ort

Das Interesse der Borschemicher war größer als erwartet. Es mussten noch viele Stühle in die Mehrzweckhalle geschleppt werden, um den mehr als 200 Interessenten Platz zu bieten.

Alle wollten sich über die Grundstücksvormerkung für den Umsiedlungsstandort Erkelenz-Nord informieren wollten. „Wir wollen nicht, wir müssen umsiedeln”, betonte ein Bürger. Deshalb sei es wichtig zu erfahren, wo welche Baugrundstücke im Borschemich zur Verfügung gestellt würden und wie die Umsiedler zu ihrem neuen Wohnplatz im Erkelenzer Norden kommen.

Rund 80 Prozent der Borschemicher Haushalte hatten bei einer Befragung Interesse an einer gemeinsamen Umsiedlung nach Erkelenz-Nord geäußert. Das entspricht einem Bedarf von rund 180 Wohnhäusern, für die rund 200 Grundstücke nach der derzeitigen Planung zur Verfügung stehen. „Es handelt sich um einen Zwischenstand”, betonte der planende Architekt Hartmut Welters.

Bis zur Rechtskraft des Bebauungsplanes könnte es noch zu Modifizierungen kommen, wenn sich dafür bei den Grundstücksvormerkungen eine Notwendigkeit ergeben würde. Der von ihm am Dienstag in Borschemich vorgestellte Plan ist schon gegenüber dem bisherigen Plan verändert worden. So wurden zu Lasten von Flächen für Gartenbaubetrieben einige Grundstücke für Private mit einer größeren Tiefe versehen. Auch hat Welters den Bereich der Flächen mit möglicher landwirtschaftlicher Nutzung reduziert zu Gunsten reiner Wohngebiete und Mischgebiete.

Ob damit die Wünsche und Bedürfnisse aller Betroffener erfüllt werden können, bleibt nach der langen Diskussion offen. Niemand möchte im neuen Dorf eine schlechtere Wohnlage haben als im vertrauten Borschemich. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Zwar wurde schon im Bürgerbeirat über mögliche Verteilungsmodalitäten gesprochen, doch ist niemand richtig glücklich mit dem jetzt gefundenen Weg.

Jeder Umsiedler erhält einen Lageplan und ein Erläuterungsbuch und kann dann drei Wünsche äußern. Sollten mehrere Wünsche für ein spezielles Grundstück geäußert werden, wollen die Stadt und der Bergbautreibende in „moderierten Gesprächen” mit den Bürgern eine einvernehmliche Lösung finden. RWE Power hegt nach der Erfahrung mit diesem Verteilungsmodell bei der Umsiedlung von Pier die Hoffnung, dass es auch in Borschemich funktioniert.

Die Betroffenen selbst sind skeptischer, sie befürchten, dass letztendlich sie untereinander streiten, um einen begehrten Bauplatz zu ergattern - nicht gerade eine gute Voraussetzung für eine gemeinsame Umsiedlung.