Erkelenz: 150 Jahre alt und spritzig wie eh und je

Erkelenz : 150 Jahre alt und spritzig wie eh und je

Der älteste Sportverein im Kreis Heinsberg besteht inzwischen 150 Jahre und wuchs aus den kleinen Anfängen der Gründerzeit zu einem stattlichen Mehrspartenverein mit 1500 Mitgliedern.

„Das sind etwa acht Prozent aller Einwohner der Stadt”, hatte der Vorsitzende des Vereins Peter Peidl bei der Jubiläumsfeier in der Stadthalle während seiner Begrüßung errechnet und festgestellt, dass der Erkelenzer Turnverein ETV einen festen Platz im Gefüge der Stadt einnimmt. Deshalb erhielt auch die Geschäftsführerin Petra Zittrich, ohne die wahrscheinlich manches im Vereinsleben nicht funktionieren würde, von ihm ein Blumenangebinde und den herzlichen Beifall der vielen Gäste an den festlich gedeckten Tischen mit Blumenschmuck und brennenden Kerzen an dreiarmigen Leuchtern.

Reiner Merkens betonte in seinem Rückblick, dass der ETV, am 8. Juli 1860 aus der Taufe gehoben, im Kaiserreich erwachsen wurde, dann die Anfänge der Demokratie in den 20er Jahren er- und die NS-Zeit überlebte und nun seit dem Wiederaufbau 1945 blüht. 1860, ein Jahr in dem in Deutschland zahlreiche Sportvereine gegründet wurden, war sicherlich noch von den Ideen des Turnvaters Jahn erfüllt. Das Lied „Turner auf zum Streite, tretet in die Bahn” ist inzwischen längst modernem Gedankengut gewichen aber, so der Laudator, wichtig ist, sich an die Vergangenheit zu erinnern, denn nur wer sie kennt, kann auch Zukunft gestalten.

Merkens erinnerte sich auch an das Jahr 1945, als die Handballer auf dem von Schützengräben durchzogenen Sportplatz wieder spielten, nicht wissend, ob irgendwo noch Minen vergaben waren, und an den Aufbauwillen der Mitglieder, die unermüdlich Steine klopften, um die Turnhalle an der Südpromenade wieder herzurichten. In Anlehnung an die Worte von Thomas Morus, der formulierte: „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme”, nannte er den ETV einen Traditionsverein, der nicht die Asche bewahrt , sondern die Glut weitergibt und forderte weiter zur Einigkeit auf, weil nur durch sie großes Werk gedeihen kann.

Bürgermeister Peter Jansen sprach die Glückwünsche des Rates und der Verwaltung aus und lobte das gute Angebot für die Bürger der Stadt. Zahlreiche weitere Gastredner, vom Stadt- und Kreissportverband und Turngauen hatten Gastgeschenke mitgebracht und konstatierten, dass der Idealismus von damals auch heute für den Verein noch gilt.

Nach über einer Stunde kam endlich Bewegung in den Saal. Die „Magic Akro Girls” eine Truppe von ganz jung bis etwas älter der Wettkampfabteilung der Turner, diebereits den zweiten Platz 2008 bei einem Showwettbewerb erhielt, mischten sich 2009 mit den „Akrobengels”. Sie qualifizierten sich für das Bundesfinale auf dem Internationalen Deutschen Turnfest in Frankfurt und behielten den Ehrentitel. In einer rasanten Show zeigten diese Turnerinnen ihre Gelenkigkeit, Sprungkraft und Körperbeherrschung und bekamen starken Beifall.

Dann hatte Marianus Langner die Aufgabe übernommen, zahlreiche Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft, Tätigkeit im Verein oder herausragende Leistungen zu nennen. Die Geehrten erhielten Urkunden, spezielle T-Shirts und Rosen überreicht und einige von ihnen wurden gleich mehrfach aufgerufen. Zwischendurch zeigte eine Frauengruppe „Gymnastik in früherer Zeit”.

Natürlich wurde Albert Eßer, „Mister Sportabzeichen”, seit 75 Jahren Mitglied des Vereins, der alle Höhen und Tiefen der Vereinsgeschichte miterlebt hat, für seine Verdienste 1999 das Bundesverdienstkreuz erhielt und seit 2003 Ehrenvorsitzender ist, besonderen Applaus. Die neuen Ehrenmitglieder heißen Helmuth Weidenhaupt, Josef Sommer, Angeli Blank und Erika Dickert. Sie alle sind noch aktiv und dokumentieren, dass Sport jung erhält.

Anschließend wurde es sehr vergnüglich. Die Merry Boy, Kultband vergangener Tage, lebte wieder auf und DJ Marcel Kuß animierte zur Bewegung auf dem Tanzparkett. Es war ein langer Abend, aber wenn man, wie der ETV 150 Jahre jung bleibt, bereitet das familiäre Zusammensein immer wieder Freude.