15 Plätze pro Kommune sind das Ziel

15 Plätze pro Kommune sind das Ziel

Kreis Heinsberg. Lukas spielt im Sandkasten, Sabine und Petra malen, und der Rest der Rasselbande lauscht den Erzählungen von Erzieherin Susanne.

Allen Kindern gemeinsam ist die Tatsache, dass sie noch nicht drei Jahre alt sind, sie einen Betreuungsplatz haben und ihre Mütter arbeiten gehen können. Herrliche Vorstellung - leider ist diese Szene im Kreis Heinsberg ein Wunschtraum.

Die Realität sieht ganz anders aus. Im gesamten Kreisgebiet gibt es nur 14 Betreuungsplätze für Kinder zwischen 0 und drei Jahren. Stellt sich die provokante Frage: Kein Platz für Kinder im Kreis Heinsberg?

„Wir brauchen viele dieser Plätze,” unterstreicht Irina Naber von der „Arbeitsgemeinschaft Kinderbetreuung” den Bedarf an Hortplätzen für Kinder unter drei Jahren.

Sie hat mit Kolleginnen diverser Einrichtungen die Erfahrung gemacht, dass Betreuungsplätze für Kinder eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für oder gegen Nachwuchs spielen.

Naber: „Bei unserer alltäglichen Erfahrung in der Schwangerenberatung tauchen immer die gleichen Fragen auf: Wann kann ich wieder arbeiten? Wovon lebe ich? Wo kann ich mein Kind nach dem Mutterschutz hinbringen? Die Antwort: Wenn Sie nicht arbeiten, bleibt nur der Weg zum Sozialamt. Ohne Familieneinbindung gibt es kaum eine Betreuungsmöglichkeit für Kinder unter drei Jahren.”

Die bisherigen Betreuungsangebote der ganz Kleinen bestehen in Spielgruppen einzelner Pfarren oder in Elterninitiativen. „Wir möchten im Kreis Heinsberg in den nächsten Jahren 15 Betreuungsplätze pro Kommune schaffen.”

Lucia Jansen, AWO-Bereich Kindertagesstätten, ergänzt: „Es ist letztendlich eine politische Entscheidung. Kinder sind unsere Zukunft. Wir müssen uns entscheiden, was uns wichtig ist. Dann müssen wir herausfinden, wo wir Mittel dafür bekommen oder abzwacken können”.

Alle Ansprechpartnerinnen erinnerten an die großen Diskussionen vor rund zehn Jahren, als es um die Betreuungssicherung und den Anspruch für Kinder ab drei Jahren ging. Heute ist dieser Bedarf fast überall gedeckt.

Im nächsten Jahr wird die Bundesregierung Mittel für die Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. Hedi Simons ist sich sicher, dass Lobbyarbeit wichtig ist: „Wir möchten eine qualifizierte, regelmäßige und ausreichende Betreuung für Familien, die es wollen und brauchen.”

Entscheidend sei dies auch für Berufsrückkehrerinnen, so Doris Scharffe, Regionalstelle Frau und Beruf. „Ist eine Frau lange aus dem Beruf heraus, dann hat sie kaum noch eine Chance auf einen Wiedereinstieg.”

Männer, so stellt die AG fest, beteiligten sich fast gar nicht an dieser Diskussion. Einladungen von Jugendämtern und anderer Institutionen würden - oft ohne jede Reaktion - nicht wahrgenommen.

Alle seien jedoch aufgerufen, an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mitzuarbeiten. Wer sich beteiligen will oder Ideen hat, kann sich unter 0 24 52/155494 (Donum Vitae) melden.