10.400 Stunden im Einsatz

10.400 Stunden im Einsatz

Ratheim (an-o/bast) - "Willkommen zu Hause" war ein Schild an der Unterkunft des Technischen Hilfswerkes (THW) in Hückelhoven angebracht worden. Nach 14 Tagen schwerer Einsatzzeit sind die 56 Männer und 4 Frauen nun wieder in der Heimat. Sie leisteten in den Überflutungsgebieten insgesamt 10.400 Arbeitsstunden.

Am Sonntag, 18. August, waren die THW-Angehörigen mit zwölf Fahrzeugkomponenten einschließlich Anhängern, Schlauchbooten und einem Bergungsräumgerät auf dem Tieflader von Ratheim aus in die Nähe von Stendal aufgebrochen. Zunächst hieß es mit Sandsäcken bei der Deichverteidigung mitzuhelfen.

Insgesamt wurden den Hückelhovenern nach und nach sieben verschiedene Einsatzstellen zugewiesen. Als besonderer Auftrag mussten sie in Schlottwitz dafür sorgen, eine neue Straße zu bauen. Die in einem Tal liegende Ortschaft besaß keine Zufahrt mehr, nachdem die Flutwelle gewütet hatte. Die Strom- und Wasserversorgung war zusammengebrochen, es galt, die Existenz der dortigen Menschen zu sichern.

Wenig Schlaf bekommen

Der Hückelhovener Bergungszug begann sofort und bekam später Hilfe von sechs weiteren Zügen aus der Bundesrepublik. Geschlafen wurde zusammen mit 100 Helferinnen und Helfern in einer ehemaligen Schule, die teilweise als Kindergarten genutzt worden war. Zwei Toiletten und ein kleines Waschbecken mussten sie sich teilen, und nicht selten war die Nacht nach vier bis fünf Stunden Schlaf zuende. "Ohne das mitgeführte schwere Gerät wäre Hilfe kaum möglich gewesen", berichtete jetzt Einsatzleiter Frank Blockhaus.

"Die Bevölkerung", so Frank Blockhaus, "war zunächst etwas zurückhaltend und meinte: Vor 30 Jahren hätte man uns einfach vergessen. Dann aber wurde es ein sehr herzliches Verhältnis." Aber auch die Einsatzkräfte der Bundeswehr, des Roten Kreuzes und des THW waren wie eine große Familie.

Autobahnbrücke gerettet

Helfen stand im Vordergrund. So waren die Hückelhovener auch besonders stolz, dass sie mitgeholfen haben, eine Autobahnbrücke auf der A 9 in Vockerode bei Dessau zu retten. Damit sie vom Wasser nicht weggespült wurde, haben die Hückelhovener zusammen mit anderen Einheiten zwei Tage lang 600 Kubikmeter Wasser pro Minute abgepumpt. Sonst wäre eine wichtige Straßenverbindung unterbrochen worden.

Weil der Einsatz länger als ursprünglich geplant dauerte, schaffte für sie Swantje Albien, Ehefrau eines THW-Helfers, in einer Drei-Tage-Fahrt persönliche Dinge wie Wechselwäsche in den Einsatzraum. Alle Einsatzkräfte waren übrigens vorsorglich gegen Tetanus und Hepatitis A geimpft worden. Seit Montag arbeiten die meisten von ihnen schon wieder. Sie waren nur für die Hilfeleistung von ihren Arbeitgebern freigestellt worden.