Von Katzen, Kaninchen und einem Kamel

Tierschutz : Von Katzen, Kaninchen und einem Kamel

„Eines Tages kam ein Mann zu uns, der meinte, sein Leguan sei ihm etwas zu groß geworden und er passt nicht mehr so ganz ins Terrarium. Letztlich haben wir dann ein kapitales, zwei Meter langes Tier vorgefunden, dass wir glücklicherweise an den Kölner Zoo vermitteln konnten.“ Was Lutz Vierthaler, der Vorsitzende des Tierschutzvereins StädteRegion Aachen sagt, klingt fast unglaublich.

Ähnliche Geschichten kann aber auch der Leiter des städteregionalen Veterinäramtes, Dr. Peter Heyde, erzählen: „Es gibt zwei Entwicklungen, die uns Sorgen machen: Immer öfter ziehen junge Paare zusammen und kaufen sich direkt einen Hund. Nach ein paar Monaten geht das Ganze wieder auseinander und keiner will oder kann sich mehr um das Tier kümmern.“ Aber auch ein zweiter Trend hat sich verstärkt: „Genauso werden wir oft gerufen, wenn alte, teils demente Menschen krankhaft Tiere sammeln. Da gab es einen Fall, in dem eine offenkundig verwirrte alte Dame mit einer Unzahl kranker Katzen in einer kleinen Mietwohnung lebte. Die Katzen vermehrten sich unkontrolliert und verstarben fast ebenso schnell. Die toten Tiere beerdigte die Frau übrigens in Blumentöpfen in der Wohnung, die an jeder freien Stelle standen.“ Man merkt Heyde an, dass ihn einige Fälle trotz aller Professionalität und seiner langjährigen Erfahrung nicht mehr loslassen.

Immer öfter immer mehr Tiere

„Wer einmal in eine kleine abgedunkelte Wohnung gegangen ist, in der gut und gerne 300 Farbratten gehalten wurden, kann sich sein Leben lang an den Geruch erinnern“, sagt er. Aber auch in diesem Fall hatte die StädteRegion mit dem Tierschutzverein StädteRegion Aachen einen starken Partner an ihrer Seite. Vierthaler: „Wir haben wirklich ein gutes Netzwerk mit anderen Tierschützern in ganz Deutschland. Für die Ratten sind Kollegen aus Berlin zu uns gekommen und haben Tiere mit in die Hauptstadt genommen und dort im Tierheim weitervermittelt.“

Die Veterinäre rund um Dr. Heyde müssen übrigens ein immer breiteres Spektrum abdecken. So werden beispielsweise Hunde, Katzen und auch Kleintiere wie Kaninchen und Meerschweine in das Aachener Tierheim gegeben, das vom Tierschutzverein betrieben wird. „Das hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen“, sagt Dr. Peter Heyde. Es ist zum einen die Anzahl der Fälle, vielmehr aber noch der Umfang. Wir haben immer öfter Tiere, die unter katastrophalen Verhältnissen gehalten werden. Ich denke beispielsweise an das vergangene Jahr, als wir einen Labradorbestand von rund 100 Tieren auflösen mussten. Ohne ein leistungsstarkes und gut vernetztes Tierheim in der Hinterhand kann man diese Tiere kaum sachgemäß unterbringen.“

Jährlicher Zuschuss steigt

Medienscheu ist Kater Lucky keineswegs und anhänglich sowieso. Für ihn und die vielen weiteren tierischen Bewohner des Tierheims bringt der jetzt unterzeichnete Vertrag der StädteRegion mit dem Tierschutzverein StädteRegion Aachen Zukunftssicherheit. Auf dem Bild (v. l. n. r.) Karina Schnitzler und Veterinär Dr. Peter Heyde von der StädteRegion, der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Lutz Vierthaler, Marlis Cremer und Alexandra Babnik-Samodol von der StädteRegion. Foto: Holger Benend, StädteRegion Aachen

Handlungsbedarf bestand aber bei der Finanzierung des Tierheims. „Der Tierschutzverein hat klar aufgezeigt, woher der erhöhte Finanzbedarf kommt. Das ist nachvollziehbar“, sagt die stellvertretende Dezernentin für das Ordnungsamt der StädteRegion, Marlis Cremer. Und so wird der jährliche Zuschuss von aktuell 180.000 Euro ab 2020 auf 290.000 Euro und ab 2023 auf 300.000 Euro erhöht. Die Vereinbarung gilt bis Ende 2024 und gibt dem Tierheim, aber auch den Kommunen langfristige Sicherheit. Das Geld teilen sich die StädteRegion und die neun Altkreiskommunen anhand der Unterbringungen von Tieren in den vergangenen Jahren. Zudem hat auch die Stadt Aachen ihren jährlichen Zuschuss an das Tierheim gerade neu verhandelt. Denn auch die Ordnungsämter vor Ort haben immer wieder aufgegriffene Tiere unterzubringen. Dabei geht es aber auch immer häufiger um Exoten: „Der Leguan ist nur ein Beispiel. Aus einer Zirkushaltung haben wir vor wenigen Monaten tatsächlich ein damals krankes Kamel in unsere Obhut nehmen müssen. Aber auch eine ausgewachsene Anaconda-Würgeschlange haben wir schon zu uns nehmen müssen“, weiß Heyde zu berichten.

Für alle „Felle“ hat das Veterinäramt eine gute Unterbringungsmöglichkeit. Großtiere können auf einem Pferdehof untergebracht werden, für Exoten gibt es eine fachkundige Tierarztpraxis und selbst wenn heimische Tiere wie verletzte Vögel zu den Amtsveterinären kommen, können sie im Aachener Euregio-Zoo untergebracht werden. Der Zuschuss der Kommunen an das Tierheim deckt übrigens nicht die Betriebskosten, die sich auf rund 1,1 Millionen Euro je Jahr summieren. Die Tierpflege kann nicht mehr ehrenamtlich geleistet werden und alle angestellten Pflegerinnen und Pfleger erhalten selbstverständlich den vorgeschriebenen Mindestlohn.

Tiere sind sehr gut versorgt

Trotzdem bringt der bestens vernetzte Tierschutzverein nach wie vor eine Menge ehrenamtliche Leistung ein. „Ein Beispiel: Wir haben immer tagesaktuell die Steckbriefe unserer Hunde und Katzen online, die zu vermitteln sind. Wir reden übrigens über rund 1200 Katzen und 600 Hunde, die wir pro Jahr in gute Hände geben“, macht Vierthaler die enorme Dimension klar. Es gibt beispielsweise eine eigene Tierarztpraxis, in der auch die notwendigen Operationen durchgeführt werden können. Erweiterungspläne liegen schon in der Schublade, denn das Problem wird nicht geringer. Umso mehr sind auch die Vertreter der StädteRegion Aachen froh, einen so kompetenten Partner wie das Tierheim in der Hinterhand zu haben. Und das jetzt verlässlich und vertraglich vereinbart für die nächsten fünf Jahre.

(pr)