Im Einsatz für Gesundheit und Verbraucherschutz

„Vertrauen ist gut – Kontrolle ist sicherer“ : Im Einsatz für Gesundheit und Verbraucherschutz

Wenn Dr. Mathias Boese und seine Kollegen zu einem Betrieb ausrücken, liegt bereits einiges an Arbeit hinter ihnen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Arbeitsgruppe Lebensmittelüberwachung müssen vor einer Kontrolle erst einmal festlegen, ob der Betrieb kontrollpflichtig ist, was die Vorkontrollen ergeben haben, ob Proben entnommen werden müssen – und falls ja, welche.

Vor Ort wird dann überprüft, ob der jeweilige Betrieb sich in Sachen Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz an die Regeln hält. Diese Überprüfungen bilden den Schwerpunkt der Tätigkeit der Kontrolleure.

„Es ist eine unglaublich abwechslungsreiche und spannende Tätigkeit, die einen sehr fordert“, sagt Boese. Der studierte Tiermediziner leitet die Arbeitsgruppe Lebensmittelüberwachung des Amts für Verbraucherschutz, Tierschutz und Veterinärwesen der StädteRegion Aachen. Vom international tätigen Lebensmittelbetrieb über die Milchküche auf dem Bauernhof bis zur Pommesbude wird hier alles gecheckt. Doch der gebürtige Norddeutsche und seine Kollegen sind nicht nur ‚Gammelfleisch‘ und schmutzigen Restaurantküchen auf der Spur: Kosmetik, Futtermittel, Tabakprodukte, Waschmittel oder Tattoofarbe stehen ebenfalls auf der ‚Fahndungsliste‘. All das verteilt auf rund 6500 kontrollpflichtige Betriebe. „Die Verantwortung für die Gesundheit und den Verbraucherschutz, die wir in diesem Bereich tragen, ist sehr groß“, weiß Boese.

5000 Kontrollen pro Jahr

Um dem gerecht zu werden, ist ganzer Einsatz notwendig. Circa 5000 Kontrollen pro Jahr, 3000 gezogene Proben – die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Lebensmittelüberwachung haben wahrlich nicht zu wenig zu tun. Hinzu kommen gut 200 Verbraucherbeschwerden im Jahr. Besonders die Transparenz ist ein Thema, das Mathias Boese beschäftigt. Das Bedürfnis der Verbraucher nach Informationen zur Hygiene – beziehungsweise einem Mangel an selbiger – „wird immer stärker, die Anfragen hierzu häufen sich“, berichtet er. Erste Anläufe wie die Hygieneampel gab es zwar schon, vieles ist aber politisch und juristisch „noch im Fluss“. Boese weiß um die Herausforderung, die ein solch „sensibles und öffentlichkeitswirksames Thema“ darstellt. Die Resonanz bei Bürgern wie Gewerbetreibenden sei aber grundsätzlich gut, die Arbeit werde geschätzt und als notwendig erachtet, betont er. Tatkräftig eingreifen können er und sein Team vor Ort. Bei einer Überprüfung – unangemeldet übrigens – stellen die Kontrolleure bei einer Begehung den gesamten Betrieb auf den Prüfstand und schauen sich auch die Eigenkontrollen an. Am Ende steht ein Abschlussgespräch nebst Bericht. Denn auch gegenüber den Betrieben ist Transparenz wichtig: Welche Mängel wurden festgestellt, wie ist der Hygienezustand allgemein?

Die Temperatur des Glühweins muss stimmen. Wird er zu lange erhitzt, leidet der Geschmack. Foto: SSV/Barbara van Rey

Bewertet wird nach einem Punktesystem. Der Ansatz ist dabei seit der Gründung der StädteRegion „risikoorientierter“ geworden, erläutert Dr. Boese. „Kurz gesagt: Je schlechter die Hygiene, desto engmaschiger die Kontrolle.“

Diese Abkehr von starren Kontrollfrequenzen ist eine der Veränderungen, die es seit 2009 in der StädteRegion in Sachen Lebensmittelüberwachung gegeben hat. Auch die Betriebe selbst müssen eigene Kontrollen vornehmen und diese dokumentieren. Mit mehr Personal reagiert die StädteRegion auch auf neue Bedürfnisse des Verbraucherschutzes. Zum Beispiel gehört inzwischen auch ein Lebensmittelchemiker zum Team.

Als Leiter der Arbeitsgruppe ist der Veterinär zwar nicht mehr bei allen Kontrollen mit dabei, unterstützt aber die Kollegen und Kolleginnen etwa bei „Grundsatzangelegenheiten oder in schwierigen Fällen, zum Beispiel bei Problembetrieben“ auch persönlich vor Ort. Als Sachverständiger ist seine Expertise zudem regelmäßig in der Beratung gefragt. Da hilft natürlich jede Menge Erfahrung: Die bringt Mathias Boese als früherer Tierarzt, vor allem aber als Fachmann mit 20 Jahren Berufserfahrung in der Lebensmittelhygiene mit. 2006 hat er, damals noch beim Kreis Aachen, als Leiter der Lebensmittelüberwachung begonnen.

Daten per Tablet erfassen

Eine Chance sieht Dr. Boese in der Digitalisierung. Denn was die Betriebe bereits für Hygienemanagement oder Rückverfolgung von Waren nutzen, bietet auch in Sachen Kontrolle und Verwaltung „viele Möglichkeiten, die Arbeit zu verbessern“, ist er überzeugt. Akten, Gutachten und Daten elektronisch übermitteln zu können, spart dabei nicht nur Zeit, sondern angesichts der Vielzahl an Proben und Überprüfungen auch viel Papier. Schon im kommenden Jahr sollen die Kontrolleure im Außendienst die Daten mobil per Tablet erfassen.

Es bleibt also spannend für Dr. Boese und seine Mitstreitenden in Sachen Lebensmittelsicherheit. „Die dynamische Entwicklung der Betriebe – und der Verbrauchererwartungen – wird anhalten, und das wird auch uns weiter antreiben“, sagt er. Vieles habe sich bereits verbessert, doch eine Lebensmittelüberwachung werde auch in zehn oder 20 Jahren notwendig sein. Denn: „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist sicherer.“

(pr)