Städteregion Aachen: Aachener Schulrat vom Dienst suspendiert

Städteregion Aachen: Aachener Schulrat vom Dienst suspendiert

Der für die Förderschulen in der Städteregion Aachen zuständige Schulrat, Schulamtsdirektor Norbert Greuel, ist von der Bezirksregierung Köln suspendiert worden, gegen ihn wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte am Mittwoch die Bezirksregierung, die die Obere Schulaufsicht inne hat. Greuel, 62, der die Untere Schulaufsicht repräsentiert und Vorgesetzter der Förderschullehrer war, ist seit den Sommerferien freigestellt. Eine offizielle Begründung gibt es nicht, die Bezirksregierung „gibt über Personalangelegenheiten keine Auskünfte“, wie ein Sprecher am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Der Hintergrund der Suspendierung ist offenbar ein Brief, den die Leiter der etwa 40 Förderschulen in der Städteregion an die Bürgermeister aller zehn Städte und Gemeinden geschrieben haben. In dem Schreiben machen die Schulleiter auf einen seit Jahren bestehenden Mangel an Förderschullehrern in der Region aufmerksam und äußern sich besorgt über Auswirkungen auf die Qualität des Unterrichts.

Vorwürfe enthält das Schreiben nicht. Ein Lehrer aus der Städteregion erklärte, der Brief an die Bürgermeister, die in der Regel Träger der Schulen in ihren Kommunen sind, sei als Beginn einer Kooperation gedacht gewesen, um dringende Probleme zu lösen.

In der Städteregion Aachen arbeiten sieben Prozent weniger Lehrer als im Stellenplan vorgesehen. Das Problem ist nicht neu und der Bezirksregierung Köln schon seit Jahren bekannt. Geändert hat sich an der Situation aber nichts. Seit Beginn des laufenden Schuljahres müssen nun im Rahmen der Inklusion Förderschullehrer stunden- oder tageweise an weiterführende Schulen abgeordnet werden, was die Personalsituation weiter verschärft. Vertretungen werden meist von Quereinsteigern geleistet, deren Arbeit wichtig ist, aber die Arbeit von ausgebildeten Sonderpädagogen eben nicht ersetzt. Der Frust in den Kollegien wächst.

Es geht auch anders

Weil sich die Leiter der Förderschulen in der Städteregion durch das Versenden des Briefes eines Beamtenvergehens („Flucht in die Öffentlichkeit“) schuldig gemacht haben, erhielten etwa ein Drittel der unterzeichnenden Schulleiter eine sogenannte Missbilligung, die nun in den jeweiligen Personalakten steht. Die übrigen Lehrer wurden getadelt.

Teile der Lehrerschaft sind über das drastischen Verhalten der Bezirksregierung bestürzt. Dass es auch anders geht, hatte diesen Sommer NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) gezeigt. Als Richter und — verbeamtete — Staatsanwälte öffentlich demonstrierten und die Landesregierung scharf kritisierten, wurden weder Tadel noch Missbilligungen ausgesprochen.

Warum gegen Schulamtsdirektor Greuel, der besagten Brief gar nicht unterzeichnet hatte, ein Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, weiß außerhalb von Bezirksregierung und Städteregionsverwaltung niemand. Nach Informationen unserer Zeitung geht die Bezirksregierung davon aus, dass Greuel der Initiator dieses Briefes gewesen sein könnte. Wie lange Greuel suspendiert bleibt oder ob er jemals wieder seinen Dienst aufnehmen darf, ist im Moment völlig offen.