Gangelt-Langbroich: 900 Pfirsichbäume: Landwirt Günter Bomanns geht an die Direktvermarktung

Gangelt-Langbroich: 900 Pfirsichbäume: Landwirt Günter Bomanns geht an die Direktvermarktung

„Meine schmecken!” So wirbt Günter Bomanns aus dem Gangelter Ortsteil Harzelt für seine Pfirsiche, die auf rund 900 Bäumen in der Nähe seines Hofes wachsen und in diesem Jahr erstmals in die Direktvermarktung gehen.

Es ist das Steinobst, das Günter Bomanns interessiert. „Kirschen werden hier viele angebaut. Da kam ich auf Pfirsiche, Aprikosen und Nektarinen”, erzählt der Landwirt.

Für Pfirsiche und deren glattschalige Mutation, die Nektarinen, gibt es eine rege Nachfrage. „Ich wollte grob an die Tradition des Wassenberger Sämlings anknüpfen - nur eben mit modernen Sorten.” Warum diesen Markt vorher keiner erkannt hat, weiß Günter Bomanns auch nicht. Spanien, Italien und Frankreich sind die üblichen Herkunftsländer für unsere Pfirsiche und Nektarinen. „Die müssen aber dort vor der Genussreife gepflückt und zu uns transportiert werden”, sagt Bomanns, der sich über eins immer geärgert hat.

„Wenn ich in einen Pfirsich beiße, darf der nicht so hart wie eine Rübe sein!” 2009 wurden die Bäume an exponierter Stelle in Harzelt gesetzt und haben im vergangenen Jahr einige Früchte getragen. Aber auch die fanden schon dankbare Abnehmer. „Die Leute vom vergangenen Jahr kommen wieder und fragen nach den Pfirsichen”, erzählt Gabi Bomanns, die sich um den Hofverkauf kümmert, den Kontakt zu den einzelnen Kunden hat und deren Rückmeldungen mit ihrem Mann auswertet.

Der weitaus größte Teil der Pfirsiche und Nektarinen geht an regionale Wiederverkäufer. Das ist der Punkt, an dem Bürgermeister Bernhard Tholen einhakt. Der begrüßt den Einstieg in die Direktvermarktung, sieht es positiv, wenn Landwirte sich ein zweites Standbein schaffen und als weiteren Nutzen, dass weniger Flächen brach liegen, sondern einer anderen, neuen Verwertung zugeführt werden. Direkte Arbeitsplätze, speziell für die Ernte, werden zwar geschaffen, sind aber mit polnischen Erntehelfern besetzt.

„Wir bekommen für diese Arbeit, die nicht im Ansatz so schwer ist, wie zum Beispiel das Erdbeerpflücken, keine deutschen Arbeitskräfte”, weiß Gabi Bomanns aus Erfahrung zu berichten. Als Pionier sieht sich Günter Bomanns bei seiner aktuellen Arbeit und kann kaum auf Erfahrungsberichte oder Fachleute zurückgreifen. Deshalb hat er 17 verschiedene Pfirsiche, Aprikosen- und Nektarinenbäume gesetzt. „Ich taste mich an das optimale Ergebnis heran”, berichtet er und erzählt, dass der Ertrag auf den verschiedenen Bäumen „von sehr gut bis gar nix” reicht.

Gelb- und weißfleischig ist das Obst bei ihm, das in den Sorten so aufgebaut ist, dass von Mitte Juli bis Mitte September gepflückt werden kann. Das größte Problem bei schlechtem Wetter ist die Fruchtfäule. Die Früchte reifen, allerdings etwas langsamer. Mehr Sonne würde auch mehr Zucker bedeuten. Aber wer weiß, noch ist der Sommer ja nicht zu Ende. Ein besonderes Augenmerk hat Günter Bomanns auf die späten Frosttage, wenn die Bäume schon blühen. Von Ende Februar bis zur „kalten Sophie” am 15. Mai ist der Frost nicht ungefährlich für die Plantage. „Die eine Sorte hat den Frost problemlos vertragen, die andere eben nicht”, ist das vorläufige Fazit. Allerdings: „Das kann nächstes Jahr völlig anders sein”, sagt Günter Bomanns, lacht und verweist noch einmal darauf, dass er sich immer noch in einer Testphase befindet.

Schon 1995 hat man bei Bomanns mit roten Johannis- und Stachelbeeren angefangen; hinzu kamen später dann Himbeeren und Brombeeren. Auch damit hat man eine Marktlücke aufgetan. Die Nachfrage bei den Händlern ist groß, berichten die Eheleute Bomanns und hoffen, dass das auch bei den Pfirsichen und Nektarinen so sein wird. Probieren kann man „Bomanns Obstgenuss” beim Hofverkauf. Wenn alles gut läuft, überlegt man, die Früchte direkt auf der Plantage anzubieten.