Kreis Düren: 30 Jahre Opferschutz beim „Weißen Ring”

Kreis Düren: 30 Jahre Opferschutz beim „Weißen Ring”

Verbrechensopfern zu helfen - das haben sich die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter des „Weißen Rings” und ihre hauptamtlichen Kollegen auf die Fahnen geschrieben. Seit 30 Jahren leisten sie diesen Dienst an der Allgemeinheit auch von der NRW-Landesgeschäftsstelle in Düren aus.

Das feierten die Aktiven mit Gästen im Post-Hotel. Eine Überraschung gab es für alle Gäste. Trotz des Themas, mit dem sich Ehren- und Hauptamtler täglich aus einander setzen müssen, ging es bei dieser Feier phasenweise äußerst lustig zu. Und das lag an einem prominenten Sympathisanten, der sich unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte: Kein anderer als der bekannte Kölner Kabarettist Jürgen Becker hielt einen Festvortrag „Gewalt als historisch anerkannte Tatsache”.

Becker geizte nicht mit Pointen, vermittelte dem Publikum aber auch manche in Humor verpackte ernste Erkenntnis. Zum Beispiel wie Verbrechensvorbeugung schon bei Kindern ansetzen könne: „Talente von Menschen erkennen und sie fördern” sei noch immer die beste Methode, einem späteren Abrutschen in die Kriminalität den Riegel vorzuschieben. Einen Ausblick Richtung Zukunft wagte Becker außerdem: „Eines Tages wird sich der ,Weiße Ring auflösen und sich um andere desaströse Verhältnisse kümmern, zum Beispiel um den Nürburgring.”

Naturgemäß gesetzter vom Tonfall her ging Landesvorsitzender Jörg Beck seine Rede an. „Düren bleibt Sitz des Landesbüros”, bekräftigte der Oberst a.D. im Beisein von Bürgermeister Paul Larue, um anzuschließen: „Ein Büro am Sitz der NRW-Regierung hätte zwar gewisse Vorteile, käme aber erheblich teurer.”

Die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter setzte vor allem politische Akzente. Darüber hinaus schlug sie aber auch grundsätzliche Töne an. „Rechtsstaatlichkeit erweist sich nicht zuletzt im Umgang mit den Kriminalitätsopfern.” Wie auch ihr Vorredner zollte sie dem Engagement der Mitarbeiter Respekt und rief aus: „Ehrenamtlich bedeutet einen besonderen Ausdruck von Mitmenschlichkeit.”

Dessen ungeachtet formulierte die Ex-NRW-Justizministerin Wünsche an den Gesetzgeber: „Es würde helfen, wenn es bei den Geldauflagen anders aussähe”, denn der „Weiße Ring” finanziert sich aus Spenden und Mitteln, die der Organisation - zum Beispiel als Bußen - von der Justiz zugesprochen werden. Schließlich bekomme die Straffälligenhilfe mehr als doppelt so viel.

Beim Einwerben finanzieller Ressourcen zeigen sich Müller-Piepenkötter und ihre Mitstreiter erfindungsreich: Vor kurzem wurde eine Stiftung gegründet, von der einzelne Projekte gefördert werden. Die nächste Initiative: die Weiterentwicklung des Auftritts im Netz. Ein Chat-Forum soll es Verbrechensopfern ermöglichen, zunächst anonym mit dem „Weißen Ring” in Verbindung zu treten.